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08.10.09

Meine Hündin hat plötzlich ein geschwollenes Gesäuge und ist sehr unruhig

Von: Dr. Winter

Sie sammelt ihre Spielzeugtiere um sich und verhält sich, als hätte sie Welpen. Eine Schwangerschaft ist allerdings ausgeschlossen, sie war vor 2 Monaten läufig und hatte keinen Kontakt zu Rüden.

Bei allen nichtkastrierten Hündinnen mit normaler Funktion der Eierstöcke kommt es im Anschluss an die Läufigkeit zu einer „Schwangerschaft“.
Bei den Hündinnen, die gewollt oder ungewollt gedeckt worden sind, ist die Trächtigkeit die natürliche und auch erwartete Folge. Aber auch alle anderen nicht gedeckten Hündinnen können sich im Anschluss an ihre Läufigkeit so verhalten, als wären auch sie tragend.

Die Scheinschwangerschaft ist eigentlich eine scheinbare eingebildete Mutterschaft einer Hündin, die sich ca. 2 Monate nach ihrer Läufigkeit einbildet, Welpen geboren zu haben. Dabei schwillt ihr Gesäuge an und meistens ist Milch vorhanden. Die Hündin baut ihr Nest und sammelt Spielzeug als Welpenersatz um sich. Teilweise ist ihre Mutterrolle so ausgeprägt, dass sie ihre „Welpen“ gegenüber anderen aggressiv verteidigt. Dieser „Zustand“ ist ein Überbleibsel aus der Wolfrudelvergangenheit des Hundes. Im Rudel wirft nämlich nur die Leitwölfin Welpen. Da sie aber dringend zur Führung der Jagd benötigt wird, säugen die anderen Wölfinnen an ihrer Stelle die Kleinen. Deshalb haben die Hündinnen ca. 64 Tage (solange dauert die Trächtigkeit der Hündin) nach ihrer Läufigkeit Milch im Gesäuge, ob sie bedeckt wurden oder nicht. Dieser Vorgang wird durch die Hirnanhangsdrüse stimuliert, sie produziert ein Hormon, das die Muttergefühle stimuliert.

Die meisten Hündinnen fressen während einer Scheinschwangerschaft schlecht. Wenn ihr Ernährungszustand vorher gut war, bleiben keine weiteren Schäden zurück. Hündinnen, die aber sowieso schlecht fressen, sollten baldmöglichst zu einer geregelten Futteraufnahme gebrachten werden, d.h. sie sollten behandelt werden.

Einige Hündinnen werden wie schon erwähnt aggressiv, so dass die Scheinschwangerschaft für den Besitzer zum Problem wird. Auch hier sollte behandelt werden, damit es nicht zu häuslichen Unfällen kommt.

Die schwerwiegendste Spätfolge der Scheinschwangerschaft aber ist das erhöhte Risiko für bösartigen Milchdrüsenkrebs (Brustkrebs). Die verstärkte Durchblutung des Gesäuges bewirkt nämlich häufiger die Entstehung von Krebszellen als bei ständig ruhendem Gewebe. Auch besteht die Gefahr von Ausbildungen von Eierstockszysten, die das Immunsystem irreparabel schädigen können und lebensbedrohende Gebärmuttervereiterungen.

In leichten Fällen reicht es während einer Scheinschwangerschaft aus, lange und intensiver als sonst mit der Hündin spazieren zu gehen. Sie soll viel abgelenkt, dabei aber nicht bemitleidet werden, sonst verstärken sich die Muttergefühle.

Der Gesäugekomplex sollte gekühlt werden. Legen Sie keine wärmenden oder kampferhaltigen Kompressen auf, Wärme fördert die Durchblutung. Lassen Sie die Hündin auch nicht ihr Gesäuge lecken, das regt die Milchproduktion an.

In schwierigeren Fällen der Scheinschwangerschaft sollte Ihre Hündin allerdings tierärztlich behandelt werden. Sie bekommt ein Medikament ins Futter, ein „Gegenhormon“, das die Hirnanhangsdrüse an der weiteren Produktion von Mutterschaftshormon hindert. Die Symptome verschwinden in den meisten Fällen nach ca. 5 Tagen. Hormonspritzen sind zu dieser Zeit nicht geeignet, da sie nur eine Wirkung auf die Eierstöcke haben.  Die Eierstöcke sind aber nicht an der Produktion des Hormons beteiligt, die Spritzen würde nur das Risiko einer Gebärmuttervereiterung um ein Vielfaches erhöhen.

Am besten ist es, einer Scheinschwangerschaft vorzubeugen. Hündinnen werden normalerweise nur scheinschwanger, wenn sie vorher läufig waren. Wenn man also die Läufigkeit verhindert, kommt es auch nicht zu einer anschließenden Scheinschwangerschaft. Da eine regelmäßige hormonelle Unterdrückung der Läufigkeit mit Spritzen sehr umstritten ist, da sie wie gesagt eine Gebärmutterveränderung hervorrufen können, sollten Sie Ihre Hündin kastrieren lassen, d.h., die Eierstöcke sollten entfernt werden. Dieses Verfahren stellt natürlich, da es ein operativer Eingriff ist, eine gewisse Belastung dar, ein ständige Scheinschwangerschaft mit ausgeprägten Symptomen ist aber ungleich gefährlicher.

Besprechen Sie die beste Therapiemöglichkeit baldmöglichst mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt.



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