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08.10.09

Mein Hund muss nächste Woche operiert werden.

Von: Dr. Winter

Was muss ich beachten?

Für die meisten Tierhalter ist die Narkose seines besten Freundes eine ungewohnte und nicht einfache Situation. Jede Operation und im Speziellen jede Vollnarkose birgt ein gewisses Risiko, sei sie auch noch so schonend. Das minimale Restrisiko besteht wie beim Menschen auch bei gesunden Tieren und auch bei einer so genannten Routineoperation.

Deshalb wird ihr Hund am Tag der Operation nochmal gründlich untersucht und direkt vor der Operation entschieden, ob Ihr Tier narkosefähig ist oder nicht. 

Sie können wesentlich dazu beitragen, das Narkoserisiko so gering wie möglich zu halten, indem Sie die folgenden Hinweise und Informationen beachten. Ihr Hund sollte 12 Stunden vor der Operation nicht mehr gefüttert werden.

Wie beim Menschen muss auch das Tier vor einer Operation nüchtern bleiben. Ein voller Magen stellt eine enorme zusätzliche Kreislaufbelastung dar. Narkosemittel können Erbrechen auslösen, was im narkotisierten Zustand des Tieres nicht ungefährliche ist, denn das Erbrochene kann in die Luftwege gelangen,  woraus Erstickungsgefahr und lebensbedrohliche Lungenprobleme entstehen können.

Deshalb sollten Hunde und auch Katzen mindestens 12 Stunden vor der Operation keine feste Nahrung, Milch oder „Leckerlis“ erhalten. Für die Freigänger unter den Katzen bedeutet das auch, dass sie das Haus nicht verlassen dürfen, um nicht unkontrolliert zu fressen.

Trinken sollen und müssen die Tiere aber unbedingt. Damit der Organismus nicht austrocknet und der Kreislauf stabil bleibt, ist eine ausreichende Versorgung mit Wasser notwendig. Übrigens: Da bei Nagetieren die Verdauung nur funktioniert, wenn sie fressen, sollten Nager bis vor der Operation immer Wasser und Futter zur Verfügung haben. Kaninchen oder Meerschweinchen dürfen also niemals ohne Futter sein.

Am Tag der Operation sollten Sie Ihr Tier keiner übermäßigen Anstrengung aussetzen. Dennoch sollten Sie einen kurzen, ruhigen Spaziergang unternehmen, damit der Patient Kot und Urin absetzen kann. Eine volle Blase und ein voller Darm können dem Chirurgen bei einer Bauchoperation die Sicht auf das Wesentliche versperren. Zudem ist es für den Patienten in der Aufwachphase wesentlich angenehmer, wenn er nicht sofort dringend raus muss.

Natürlich wird Ihr Tier vor der Narkose noch mal gründlich untersucht In der Regel werden nur gesunde Tiere der Belastung einer Narkose und Operation ausgesetzt.  Sollte Ihnen also vor der Operation aufgefallen sein, dass Ihr Tier unter Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder allgemeiner Schwäche leidet oder es häufiger uriniert als sonst teilen das bitte Ihrem Tierarzt mit. Das könnten erste Anzeichen einer Erkrankung sein und müssen bei einer Narkose berücksichtige werden.  Bitte unterrichten Sie Ihren Tierarzt  auch, wenn bei Ihrer Hündin eine baldige Läufigkeit zu erwarten ist, Ihr Tier chronisch krank sein sollte oder regelmäßig Tabletten einnimmt. Denn manche Präparate wirken narkosevertiefend und es muss eine geringere Dosierung der Narkotika gewählt werden.  Jede zusätzliche Information hilft, die Narkose und Operation besser zu planen und vorzubereiten. Manchmal kann es auch besser sein, eine Operation zu verschieben, als sie in der Phase einer akuten Infektion durchzuführen.

Es gibt viele verschiedene Narkosearten und Medikamente. Die Tierärzte stimmen die Narkose für jedes Tier individuell ab. Aufgrund verschiedener Narkosemöglichkeiten und der individuellen Narkoseverträglichkeit erwachen die Patienten ganz unterschiedlich. Teilweise sind sie direkt nach der Operation wach und können problemlos nach Hause entlassen werden, teilweise muss die Narkose aber noch vollständig ausgeschlafen werden. Sollte Ihr Tier noch nicht restlos aus der Narkose aufgewacht sein, richten Sie ihm zu Hause einen gemütlichen Platz ein, wo es zwar fürsorglich kontrolliert ist, aber in Ruhe ausschlafen kann. Auch sollte sichergestellt sein, dass sich der Patient nicht bei unkoordinierten Aufstehversuchen verletzen kann. Besonders Katzen versuchen oft halb benommen aufzustehen und umherzulaufen.

Während der Narkose wird die Körpertemperatur verringert. Deshalb ist es wichtig, Ihr Tier warm zu halten. Legen Sie Ihren Patienten leicht zugedeckt auf eine weiche Unterlage in einem warmen Raum. Manchmal heulen oder jaulen die Hunde in der Aufwachphase. Das geschieht unbewusst und ist kein Zeichen von Schmerzen.

Wenn Ihr Tier wieder vollständig erwacht ist, können Sie ihm Wasser anbieten. Füttern sollten Sie es frühstens 12 Stunden nach der Operation. Solange noch Reste des Narkosemittels im Körper sind, besteht immer die Gefahr des Erbrechens.  Im Zusammenhang mit dem Fastentag, den Ihr Tier einlegen musste und der „lähmenden“ Wirkung der Narkosemittel auf die Darmmotorik, kann der Kotabsatz 1-2 Tage ausbleiben. Urin sollte Ihr Tier jedoch bereits am OP-Tag absetzen.

Bitte achten Sie darauf und besprechen Sie jede Auffälligkeit mit Ihrem behandelnden Tierarzt. Nach kleineren chirurgischen Eingriffen (z.B. Zahnsteinentfernung, HD-Röntgen) empfiehlt es sich, das Tier noch ein bis zwei Tage zu schonen, damit sich der gesamte Organismus erholen kann.

Größere chirurgische Eingriffe (z.B. Kastration, Tumor- OP) bringen in der Regel eine Woche Leinenzwang mit sich, um eine optimale Wundheilung zu gewährleisten. Zu frühes Herumtoben kann zu Komplikationen wie Nahtschwäche, Schmerzen oder Schwellungen führen.

Achten Sie auf Verbände. Wenn sie nichtmehr richtig sitzen, durchgeweicht oder blutig sind, kontaktieren Sie am besten sofort Ihren Tierarzt.

Nähte können schon mal jucken. Für den ungestörten Heilungsverlauf ist es wichtig, dass Ihr Tier nicht an der Wunde leckt. Gegebenenfalls hält Ihr Tierarzt spezielle Halstrichter bereit, an die sich der Patient schnell gewöhnt.

Wunden verursachen Schmerzen. Achten Sie darauf, dass Ihr Tier nach einer Operation ausreichend lange mit Schmerzmitteln versorgt ist, damit es nicht leiden muss. Auch alle anderen Medikamente (z.B. Antibiotika) sollten sorgfältig nach Anweisung Ihres Tierarztes verabreicht werden. Kürzen Sie die Behandlungsdauer nicht selbst, ab, auch wenn es Ihrem Tier bereits besser geht. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Rückfällen oder Resistenzbildungen.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Liebling alles Gute und eine schnelle Genesung!



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