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08.10.09

Heinzelmännchen im Süßwasser-Aquarium

Von: Frank Apfel

Entgegen den Zwerggarnelen-Arten haben die so genannten Großarmgarnelen „richtige“ Scheren, ähnlich wie wir sie auch bei den Krebsen kennen. Neben Algen, Pflanzenteilen und Kleinstlebewesen sind einige Großarmgarnelen-Arten durchaus in der Lage, auch größere Beute zu überwältigen. Würmer, große Insektenlarven, aber leider auch  schon mal ein unvorsichtiger, langsamer oder kranker Fisch können durchaus in den Speiseplan dieser Garnelen passen. Oft gelingt es den Großarmgarnelen sogar mit unglaublicher Geduld Schnecken aus ihrem Gehäuse zu „pellen“ und genussvoll zu verspeisen. Entgegen den Zwerggarnelen verhalten sich manche Großarmgarnelenarten –vor allem die Männer- oft sehr aggressiv und territorial untereinander. Da man die Männchen jedoch bei den meisten Arten sehr gut von den Weibchen unterscheiden kann, da diese wesentlich größere Scheren besitzen,  ist es natürlich auch möglich einen Mann mit mehreren Damen einzusetzen. Einige Großarmgarnelenarten kommen jedoch auch in ihrer natürlichen Heimat in großer Anzahl vor, von diesen Arten kann man dann auch eine schöne Gruppe gemeinsam im eigenen Aquarium halten. Aus der großen Gruppe der Langarmgarnelen habe ich folgende Tiere für Sie ausgesucht:

·        Glasgarnele (Macrobrachium lanchesteri), Größe: -10 cm (mit Scheren), Aussehen: durchsichtiger Körper mit schwarzen Streifen am Vorderkörper, Gruppenhaltung gut möglich

·        Schneeflöckchengarnele (Macrobrachium kulsiense), Größe: -4,5 cm, Aussehen: braune bis grünliche Grundfarbe mit weißen Punkten/Flecken, Gruppenhaltung gut möglich

·        Ringelhandgarnele (Macrobrachium assamense), Größe: -8 cm, Aussehen: grau marmoriert, bei guter Ernährung rot-schwarz geringelte Scheren, untereinander recht aggressive Art, Fischräuber

·        Langnasengarnele (Macrobrachium lamarrei lamarrei), Größe: -7 cm, Aussehen: durchsichtiger Körper, Gruppenhaltung gut möglich.

·        Choco-Garnele (Macrobrachium tenellum), Größe:  -12 cm, Aussehen: braun, daher der Name Choco-Garnele, Gruppenhaltung in größeren Becken möglich, wobei sich die Männer etwas territorial verhalten.

Auch für Langarmgarnelen gilt: Nicht einfach kaufen, sondern richtig kaufen, d.h. sich im guten Fachgeschäft die Ansprüche der Tiere erklären zu lassen und dort auch gesunde Tiere zu erwerben.

 

Im letzten Teil über algenfressende Bewohner in Süßwasser-Aquarien möchte ich heute einige algenfressende Schnecken (Gastropoda) vorstellen.  Die Schnecken gehören zu den so genannten Weichtieren (Mollusca), zu denen  z.B. auch die Muscheln gehören. Es gibt insgesamt über 43.000 Arten von Land- und Wasserschnecken, eine unvorstellbare Zahl! Schnecken sind im Aquarium unermüdliche Algenfresser, also richtige „Heinzelmännchen“. Man muss nur darauf achten, dass man die für sich geeigneten Tiere erwirbt, denn leider fressen einige Arten nicht nur pflanzliche Kost in Form von Algen sondern auch in Form von Nutzpflanzen im Aquarium. Von der Fortpflanzung her gehören manche Wasserschnecken-Arten zu den Hermaphroditen (Zwittern),  andere Arten wiederum vermehren sich getrennt geschlechtlich (Männchen und Weibchen). Wichtig bei der Haltung von Schnecken ist auch dass man weiß, dass diese Tiere zum Aufbau Ihres Gehäuses Kalk benötigen. Besonders in Weichwassergebieten (z.B. auch in Kaiserslautern) sollte man den Schnecken die Möglichkeit geben, Kalk aufzunehmen. Tut man dies nicht, sehen die Schneckenhäuser oft nicht glänzend und glatt aus, sondern wirken stumpf, haben Löcher oder es brechen ganze Teile heraus. Ein einfacher Trick ist die Zugabe einer Sepiaschale, von dieser holen sich die Schnecken (aber auch Welse, Garnelen und andere Tiere) ihre benötigte Kalkration herunter. Wegen der richtigen Dosierung/Größe fragen sie bitte im guten Fachgeschäft nach.

Einige Arten sind:

·        Apfelschnecke (Pomacea bridgesi), getrennt geschlechtliche Art, rundes Gehäuse (meist gelb, braun, weiß/blau), heller Körper, Gehäusegröße:  -6,5 cm. Sie besitzt einen Deckel (operculum),  mit dem das Gehäuse bei Gefahr verschlossen werden kann. Da die Apfelschnecke ihre Eier außerhalb des Wassers in einer Art „Traubenklotz“ ablegt, kann man einer Überbevölkerung ganz einfach vorbeugen indem man dieses Gelege entfernt, und so die Entwicklung neuer Schnecken verhindert.

·        Paradies-Schnecke (Marisa cornuarietis), getrennt geschlechtlich, -5 cm, flaches Gehäuse, Grundfarbe gelb mit braunen oder gelblichen  Streifen. Der Fuß ist gelblich-dunkelbraun getigert. Sehr gut geeignet für Aufzucht-Aquarien oder Barschbecken aus dem afrikanischen Raum ohne Pflanzen, da diese Art nicht nur Algen sondern auch Pflanzen jeglicher Art vertilgt.

·        Turmdeckelschnecke (Melanoides tuberculatus), lebendgebärend, sehr hartes, bis 2,5 cm langes, gedrehtes Gehäuse, besitzt einen Deckel (operculum) wie die Apfelschnecke. Sehr nützliche Schnecke, die sich am Tag hauptsächlich im Boden aufhält und diesen so auflockert. Bei Dunkelheit werden Algen und Futterreste im gesamten Aquarium gesucht. Nachteil dieser Art ist jedoch, dass sie sich explosionsartig vermehren kann und dann ein ständiges Absammeln nötig ist.

·        Rennschnecke (Neritina natalensis ),  Zwitter, Zucht im Aquarium nicht möglich, man vermutet, dass die Larven der Schnecke zum Überleben Salzwasser benötigen. Hervorragender Algenfresser, der Nutzpflanzen in Ruhe lässt. Größe: -3,5 cm, die Gehäusezeichnung  gibt es in unheimlich Brauntönen und Mustern (Streifen, unterbrochen Linien …). Über Tag bewegt sich die Rennschnecke in Zeitlupe, bei Dunkelheit jedoch beachtlich flott vorwärts.

·        Geweihschnecke, wird auch Igelschnecke genannt, (Clithon sp.) Gehäusegröße -2 cm, das Gehäuse hat unregelmäßig angeordnete Gehäusefortsätze (Stacheln). Sehr guter Algenfresser, lässt Pflanzen in Ruhe.

·        Muschelschnecke (Septaria porcellana), das Gehäuse dieser attraktiven Schnecke sieht aus wie eine Muschelhälfte.  Sie wird bis zu 4 cm lang und ca. 2,5 cm breit. Diese Schnecke ist ein perfekter Algenfresser, aber leider sehr selten im Handel erhältlich.

 



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