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Geht man von einem wissenschaftlichen Blickwinkel aus, so kann man ein Aquarium als abgeschlossenes System umschreiben, in welchem sich das eingefüllte Wasser auf Grund biologischer und chemischer Vorgänge im Laufe der Zeit zum Nachteil seiner Bewohner, nämlich unserer Fische, verändert. Als Aquaristik Fan sehe ich jedoch ein Aquarium als wunderschöne Oase der Ruhe, welche zum Entspannen einlädt und das Ambiente eines jeden Raumes hebt. Die Begegnung mit der Natur im eigenen Wohnzimmer fasziniert nicht nur die Erwachsenen, auch für Kinder ist es ein beruhigendes Erlebnis. Etwa 85 Millionen Zierfische leben in 3 Millionen Aquarien alleine in Deutschland. Ein Aquarium bedeutet weniger Arbeit als Sie annehmen. Aquarium kaufen, Wasser einfüllen, Pflanzen und Fische einsetzen – fertig. Nein, natürlich nicht, denn ganz so einfach ist es jetzt auch wiederum nicht. Aber das ein Aquarium viel Arbeit bedeutet ist ein Vorurteil, denn Fische, Krebse und Garnelen sind leichter zu halten und zu pflegen als die meisten anderen Tiere. Dank moderner Filtersysteme, Regelheizer, optimaler Beleuchtung und Lichtsteuerung, Dünge- und Futterautomaten ist die heutige Aquaristik so leicht wie nie zuvor. Bevor man ein Aquarium erwirbt muss man sich jedoch darüber klar werden, welcher Art der Lebensraum Wasser sein soll. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Meerwasseraquarien, Kaltwasseraquarien und Süßwasseraquarien. Diese kann man entweder als „Artenbecken" einrichten, in denen nur eine spezielle Fisch-, Garnelen oder Krebsart gehalten wird, oder aber als „Gesellschaftsaquarium", wo viele unterschiedliche, miteinander verträgliche Arten unter gleichen Bedingungen leben. Die meisten Aquarien in Deutschland dürften wohl diese bunten „Gesellschaftsaquarien" sein, deshalb möchte ich auch auf diese Süßwasseraquarien im Folgenden näher eingehen. Das Aquarium sollte niemals nach der Devise „Wenn ich mich mit der Aquaristik noch nicht auskenne, investiere ich lieber zu Beginn möglichst wenig Geld und Wohnraum und kaufe mir erst mal ein kleines Aquarium" ausgesucht werden, denn größere Aquarien ab ca. 100 Liter sind aufgrund von mehr Biomasse und des größeren Wasservolumens wesentlich einfacher ökologisch zu stabilisieren. Kleinere Becken erfordern etwas mehr Aufmerksamkeit, besonders die Wasserqualität muss immer im Auge behalten werden. Wichtig ist auch der richtige Standort Ihres neuen Aquariums, d.h., zum Beispiel keine direkte Sonneneinstrahlung (Algenbildung), weg vom Heizkörper (Hitzeentwicklung im Winter), waagerechter Fußboden, geeigneter Aquarienschrank oder evtl. stabiler Unterbau -korrekten Stand des Schrankes/Unterbaus bitte mit Wasserwaage überprüfen-, möglichst erschütterungsfreier Standort, ideal mit mindestens 1 Steckdose in der Nähe. Sollte man sich nicht für eine Aquarien-Kombination mit entsprechendem, von Fachleuten entworfenem Unterschrank entscheiden muss man daran denken, dass der Unterbau das Gesamtgewicht des Beckens tragen muss (Glasbecken, Abdeckung, Wasser, Kies, Einrichtung und Technik). Dieses Gewicht sollte man auf keinen Fall unterschätzen und „Großmutters stabiler Schrank" könnte dabei ganz leicht in die Knie gehen. Um das Aquarien Endgewicht in Kilogramm in etwa zu berechnen, nimmt man das Beckenvolumen und multipliziert es mit 1,8. So wiegt zum Beispiel ein 200 Liter Aquarium mit Wasser, Kies und Deko ca. 360 kg (Berechnung: 200 x 1,8 = 360). Ist das Aquarium dann endlich bei Ihnen zu Hause, sollte es gründlich mit warmen Wasser und einem weichen Schwamm ausgewaschen werden. Natürlich dürfen hierzu keinerlei Haushaltsreinigungsmittel, egal ob chemischer oder biologischer Art, benutzt werden. Außer klarem Wasser kann man das Aquarium aber auch z.B. mit hochkonzentriertem Salzwasser ausreiben. Danach mit klarem Wasser nachreinigen. Um Punktbelastungen = Punktspannungen beim rahmenlosen Aquarium zu vermeiden, muss unter dieses eine spezielle Sicherheitsunterlage, welche eventuelle Unebenheiten ausgleicht, gelegt werden. Auch sollte das Becken mit einer Rückwandfolie oder eingebauten Rückwand versehen werden, damit optisch ein räumlicher Abschluss nach hinten gegeben ist.
Wie in Teil 1 in der letzten Insider Ausgabe bereits geschrieben, beziehen sich meine Angaben auf ein Süßwasseraquarium (Gesellschaftsaquarium). Je nach Beckengröße und geplanter Bepflanzung sollte man eventuell einen Depot Bodendünger in das Aquarium einbringen. Danach wird der mit warmen Wasser gewaschene Kies, nach hinten leicht ansteigend, eingefüllt. Je nach geplanten Fischarten sollte man auch die Körnung des Kieses auswählen. Für die meisten Arten sehr gut geeignet ist ein Kies mittlerer Stärke, ca. 2-3 mm. Kaufen Sie auch hier nur für das Aquarium geeigneten Kies, da dieser wasserneutral und ohne scharfe Kanten sein sollte. Danach wird die Technik installiert (noch nicht einschalten). Für welche Technik man sich entscheidet hängt von der Größe Ihres Aquariums, der Einrichtung und dem Fischbesatz ab. Wichtig ist hier auf jeden Fall eine sehr gute Fachberatung, denn die Technik, vor allem der Filter, ist das lebensnotwendige Herz eines jeden Aquariums. Als Dekoration sollte man nur Materialien einbringen, die für die Aquaristik geeignet sind, im Fachhandel findet man hiervon eine riesige Auswahl. Hier gilt der Grundsatz, eigentlich kann man sich aussuchen was einem gefällt, solange es den Fischen nicht schadet. Idealerweise sollte man sich entsprechend der gehaltenen Fischarten für Steine, Höhlen oder Wurzeln entscheiden, denn nicht nur, dass ein schön eingerichtetes Aquarium die Unterwasserlandschaft für uns optisch wesentlich interessanter macht, die Dekoration dient auch den Fischen als Versteck, Bruthöhle, oder Reviermarkierung. Einige Fischarten (z.B. die beliebten Antennenwelse) schaben mit ihren Saugmäulern auch Holzfasern von Naturwurzeln (zum Beispiel den Mangroven-Wurzeln) ab. Diese Holzfasern dienen ihnen als Ballaststoffe für eine bessere Verdauung. Ihre Fische werden sich mit Gesundheit und vor allem wunderschönen Farben für ein naturnah eingerichtetes Aquarium bedanken. Auch das Dekorationsmaterial sollten Sie unter fließendem, warmen Wasser gründlich reinigen. Wichtig ist: Keine selbst gesammelten Steine oder Holz und kein Metall in das Aquarium einbringen. Vorsichtig, damit der Bodengrund nicht aufgewühlt wird, das Becken zu ca. 1/3 mit lauwarmen (ca. 24 Grad) Wasser befüllen. Ein kleiner Trick hierbei ist: Einen Teller oder eine Schale auf den Kies stellen oder Stück unterhalb der Wasseroberfläche festhalten und das Wasser vorsichtig hierüber einlaufen lassen, ein Aufwirbeln des Kieses wird so vermieden. Ihren alten Putzeimer sollten Sie natürlich nicht zum Befüllen des Aquariums nehmen, wichtig ist der Erwerb eines neuen Eimers, welcher nur für das Aquarium (Wasserwechsel, Auffüllen etc.) genutzt wird. Bitte vergessen Sie nicht, um aus unserem Trinkwasser fisch- und pflanzengerechtes Wasser zu machen, sollte man auf jeden Fall einen guten Wasseraufbereiter zugeben (Dieser bindet z.B. Chlor und Schwermetalle)
Bevor die Wasserpflanzen eingesetzt werden können, müssen alle Töpfe, Bänder, Bleie etc. entfernt werden. Bitte denken Sie daran, dass die meisten Pflanzen noch wachsen werden. Große und groß werdende Pflanzen nach hinten, kleinere Pflanzen nach vorne. Da, je nach Art, die Pflanzen beim Setzen und bei der Pflege unterschiedlich behandelt werden müssen, erkundigt man sich am Besten direkt beim Kauf im Fachgeschäft. Prinzipiell wichtig: Entfernen Sie abgestorbene Blätter und Stängelteile, zu lange Wurzeln einkürzen. Doch warum eigentlich lebende Pflanzen und nicht nur so genannte Plastikpflanzen? Pflanzen sind optisch sehr reizvoll, erfüllen aber auch viele wichtige Aufgaben in Ihrem Aquarium. Bei Licht erzeugen sie durch die Photosynthese Kohlenhydrate (Zucker) für ihr Wachstum. Dazu absorbieren sie das von den Fischen ausgeatmete Kohlendioxid (CO2) und geben gleichzeitig wieder Sauerstoff an das Aquarienwasser ab, welcher von den Fischen wiederum verwertet wird. Des Weiteren ziehen lebende Pflanzen auch Schadstoffe aus dem Wasser. Ammonium, Nitrat und Phosphat, welche durch Ausscheidungen der Fische, Restfutter, absterbende Pflanzenteile u.s.w. entstehen, werden von den Pflanzen zum Teil verwertet. Dabei entziehen sie auch den Algen die Nahrungsgrundlage. Für den Anfang wählen Sie am besten schnell wachsende und robuste Pflanzenarten, welche keine zu hohen Ansprüche an das Aquarienwasser stellen. Hierbei möchte ich noch bemerken, dass auch in Aquarien mit afrikanischen Buntbarschen Pflanzen eingebracht werden können. Es müssen nur so genannte „Hartpflanzen" oder Pflanzen mit Bitterstoffen sein, die von den afrikanischen Cichliden verschmäht werden, denn auch im Malawi-, Tanganjika- oder Viktoriasee in Afrika gibt es Pflanzen. Sind alle Pflanzen gesetzt, die Dekorationen eingebracht und die Technik installiert, füllen Sie Ihr Aquarium vorsichtig – wie oben beschrieben- bis ca. 2-3 cm zum oberen Beckenrand, bzw. bei eingeklebten Verstrebungen bis ca. 1 – 2 cm unterhalb der Statikverstrebungen auf.
Damit sich in Ihrem neu eingerichteten Aquarium Bakterienkulturen in Filter und Kies ansiedeln können und Ihren neu eingesetzten Pflanzen die Möglichkeit der Photosynthese gegeben wird, nehmen Sie nun die Technik in Betrieb, d.h., Licht einschalten, am besten über eine Zeitschaltuhr steuern, (Brenndauer ca. 10-12 Stunden), Filter im Dauerbetrieb laufen lassen (Tag und Nacht), Regelheizer als letzte Technik starten, damit dieser in etwa die Temperatur des Wassers angenommen hat und so ein zerspringen des Glaskolbens vermieden wird. Die meisten gekauften neuen Regelheizer sind auf eine Temperatur von 25 Grad Celsius eingestellt, bitte passen Sie dessen Temperatur den von Ihnen geplanten Fischen schon in der Einlaufphase an. Diese erste Einlaufphase beträgt in der Regel mindestens 14 Tage bis 3 Wochen. Sollten Ihnen diese Zeit zu lange dauern, können Sie mit entsprechenden Impfkulturen / Lebendorganismen Ihr Wasser bzw. Ihren Filter „animpfen", so kann man die Einlaufphase um ein Vielfaches verringern. Bevor Sie die ersten Fische für Ihr Aquarium kaufen, sollte speziell der Nitritgehalt in Ihrem Wasser gemessen werden. Dieser zeigt an, ob sich in Ihrem Filter schon genügend Bakterien angesiedelt haben, welche das für die Fische sehr giftige Nitrit (NO2) in Nitrat (NO3) umwandeln. Sollte kein Nitrit mehr messbar sein und auch die anderen Werte stimmen, steht dem Kauf der ersten eigenen Fische nichts mehr im Wege. Um gesunde Tiere mit der richtigen Beratung zu erwerben, gehen Sie am besten in ein gutes Fachgeschäft, wo man Ihre Fragen problemlos beantworten kann. Ein gutes Geschäft erkennt man unter anderem daran, dass die Aquarien sauber aussehen, die Fische einen gesunden, munteren Eindruck machen, natürlich keine toten Tiere in den Becken treiben und eine fundierte Beratung selbstverständlich ist. Sind dann die ersten Fische erworben ist es wichtig diese an ihr neues Wasser, nämlich das in Ihrem Aquarium, zu gewöhnen. Stellen Sie dazu den Fischbeutel geöffnet in ein Gefäß (z.B. Aquarieneimer), so dass der Beutel nicht umkippen kann und geben Sie alle 5 Minuten einen kleinen Schluck Aquarienwasser in den Beutel. Dadurch gewöhnt man die Tiere langsam an das eigene Wasser und passt die Temperatur nach und nach mit an. (Dadurch, dass man den Beutel nicht ins Aquarium hängt sondern in einen Eimer oder anderes Gefäß stellt, haben die Fische einen Boden / festen Abschluss unter dem Beutel und sind dadurch wesentlich ruhiger und weniger gestresst als „frei schwebend" im Aquarium hängend) Nach ca. einer halben Stunde (und 5-maliger Zugabe von Ihrem Wasser) spielt das Ausgangswasser des Fachgeschäftes prozentual keine Rolle mehr, so dass man die neuen Fische ins eigene Aquarium umsetzen kann. Dazu den Inhalt des Transportbeutels einfach vorsichtig in ein über einen Eimer gehaltenes Fischnetz schütten und die Fische im Netz ins Aquarium geben. Wichtig ist, dass man niemals Fremdwasser ins eigene System einbringen sollte, d.h., das gemischte Wasser im Transportbeutel wird entsorgt, denn in diesem enthalten sind fremde Algenstämme und Mikroorganismen. Die Fische sollten am Tag des Umsetzens kein Futter mehr erhalten, damit sich ihr Körper -nach dem Stress des Fangens und der Umgewöhnung an das fremde Wasser- dem neuen Lebensmilieu in Ruhe anpassen kann. Nach spätestens 7 Tagen sollte der Nitritwert erneut gemessen werden um sicher zu gehen, dass der Filter (bzw. die Mikroorganismen im Filter) mit der Belastung durch die Fische (Futter, Kot, Urin..) problemlos fertig wird. Ist dies der Fall kann man nach und nach -also bitte nicht alle Tiere auf einmal einsetzen- seinen Fischbestand aufstocken. Um den Lebensraum Wasser im Aquarium richtig auszunutzen sollte man auch wissen, dass Fische einen individuellen Schwimmbereich bevorzugen. Man sollte sich also passend für die unterschiedlichen Schwimmregionen seine Fische aussuchen. Zum Beispiel sind für den unteren Bereich die verschiedenen Panzerwelse, Dornaugen, Zwergbuntbarsche sehr gut geeignet, für die mittlere Wasserregion z.B. diverse Salmlerarten wie Neon, Rotkopfsalmer, Zitronensalmler, Schmucksalmler, verschiedene Barbenarten wie die Keilfleckbarbe, Zebrabarbe, Bitterlingsbarbe, Rotkopfbarbe, Regenbogenfische, Labyrinthfische, für den oberen Wasserbereich z.B. Beilbauchsalmler, Hechtlingsarten (z.B. der Streifenhechtling), bei größeren Fischen auch der Schmetterlingsfisch. Ideal ergänzen kann man seinen Besatz mit munteren Garnelen oder aber auch verschiedenen Schneckenarten. Um einem Überbesatz im Aquarium vorzubeugen sollte man beim Erwerb seiner Tiere beachten, dass die meisten von Ihnen noch wachsen werden. Als Faustregel gilt hier: Ca. 2 Liter Aquarienwasser pro 1 cm ausgewachsener Fischlänge.
Gerade als Neueinsteiger in die Aquaristik ist es sehr wichtig, beim Start in ein wunderschönes Hobby durch Kenner und Könner in dieser Sparte geholfen zu bekommen, denn auch Fische –und sind sie noch so günstig- sind Lebewesen die es verdienen, dass wir ihren Lebensraum Wasser für sie auch lebenswert machen.
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