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Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) eröffnet am Freitag, 3. Februar, um 19 Uhr die Ausstellung „Aufbruch. Malerei und realer Raum“. „Zur Hölle mit den Bildern […] Unsere Kunst […] sollte ins Auge springen, und dies direkt.“ Der amerikanische Künstler Ellsworth Kelly bringt mit Nachdruck auf den Punkt, was seit den 1950er Jahren eine Vielzahl von Malern umtrieb. Sie waren auf der Suche nach neuen Ansätzen, um die Geschlossenheit der gerahmten Bildfläche zu überwinden. Ausgehend von 15 Arbeiten, die als Eigentum oder Dauerleihgaben zum Bestand des mpk gehören, ergänzt mit über 50 Leihgaben aus Privatsammlungen und Stiftungen des In- und Auslandes, bietet die Ausstellung, die bis 22. April zu sehen ist, in einer enormen Vielfalt Einblick in diese künstlerischen Strategien.
Begleitend zur Eröffnung der Ausstellung „Aufbruch – Malerei und realer Raum“ bietet das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk) am Freitag, 3. Februar, um 18.45 Uhr für Kinder ab 6 Jahren ein besonderes Programm. Der Raum steht dabei im Mittelpunkt. Kann man Raum sehen? Wie entsteht überhaupt Raum? Unter Leitung der Kunsterzieherin Trude E. Deubig kommt das Zusammenspiel von Farbe, Fläche und Raum auf den Prüfstand. In der Ausstellung hinterfragen, entdecken und erleben die jungen Kunstforscher mitunter ungewöhnliche Begegnungen der dritten Dimension. Diese werden dann mit vielfältigen Materialien kreativ in eigene Kunstwerke umgesetzt.
Der Fokus der Ausstellung liegt auf europäischen und nordamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern und auf deren malereispezifische Entwicklung in die faktisch dritte Dimension. Anstatt sich wie bisher der Perspektive zu bedienen, stoßen die Arbeiten in den realen Raum vor. Ihre Entgrenzung vollzieht sich als sinnliches Ereignis ohne erzählerische Komponenten. Diese Werke repräsentieren ausschließlich sich selbst und werfen dabei zugleich neu entstandene Fragen von Raum, Zeit und Wahrnehmung auf.
Im Jahr 1949 durchstieß der Italiener Lucio Fontana erstmals mit einem Locheisen die Leinwand und schuf damit einen realen Tiefenraum im Bild. Ellsworth Kelly entwickelte in Paris sein erstes rahmenloses Bildobjekt, das auf die klassisch rechteckige Form verzichtete. 1952 begann der Franzose François Morellet weiß gestrichene, einfache Bildtafeln mit sich wiederholenden Strukturen zu überziehen, „so dass der Blick keinen Abschluss findet“ – so Erich Franz im Katalog. Diese Künstler waren die ersten, die die festen Grenzen der gerahmten Bildfläche auflösten und den fiktiven Bildraum durch den Bezug zum realen Umraum ergänzten.
Kontrastierende Farbenergien sprengen bei Günter Fruhtrunk die Fläche. Sie bieten keinen festen Ausgangspunkt, an ihre Stelle treten schwankende und ständig sich ändernde Bewegungen. Emil Schumacher, Arman, Antoni Tàpies und Jürgen Meyer verwandeln den Farbkörper massiv mit konkreten Materialien hin zur Räumlichkeit. Mit dynamischen Attacken überlagert neben Lucio Fontana auch Arnulf Rainer die bildliche Geschlossenheit. François Morellet, Robert Mangold und Sabine Straßburger unterlaufen mit klaren, doch gegensätzlichen formalen Elementen eine einheitliche Bildauffassung.
Ganz gleich welcher Künstler sich hinter den Werken verbirgt, eins eint sie alle: Sie schaffen für den Besucher besondere sinnliche Erlebnisse. Sei es über das Material, indem Farbe wie Spachtelmasse dick aufgetragen wird. Sei es über den Einsatz von optischen Effekten, mit denen konkrete Flächen eine konkret wahrnehmbare Räumlichkeit erzeugen, die mit den gegebenen Flächen allerdings nichts gemein hat. Last but not least lassen blaue wolkige Oberflächen der Werke von Yves Klein einen Tiefenraum erleben, der jenseits aller realen Räumlichkeit liegt.
Das mpk stellt an Werken von „Klassikern“, aber auch weniger bekannten und jüngeren Künstlern optische Kräfte und malerische Energien vor, mit denen die Wahrnehmung des Betrachters über die Grenzen des traditionellen Tafelbildes hinausgeführt wird. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit Aufsätzen von Erich Franz und Robert Kudielka sowie kurzen Textbeiträgen von Studierenden des Kunstgeschichtlichen Instituts der Ruhr-Universität Bochum sowie von Mitarbeitern der beteiligten Museen erschienen (279 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, erhältlich für 24 Euro im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern). Zur Ausstellungseröffnung sprechen Theo Wieder, Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz, Dr. Britta E. Buhlmann, Direktorin des mpk, und Ausstellungskuratorin Dr. Annette Reich. Die musikalische Gestaltung übernimmt Seung-Hee Jang (Sopran) begleitet von Ai Ichikawa.
Das Gesamtkonzept der Ausstellung haben Alexander und Silke von Berswordt-Wallrabe, Britta E. Buhlmann und Erich Franz in Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen entwickelt. Die Stationen der Ausstellung sind: Situation Kunst, Bochum (bis 15.01.2012), Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (04.02. bis 22.04.2012), Akademie der Künste Berlin (04.05. bis 29.07.2012), Museum im Kulturspeicher Würzburg (11.08. bis 23.09.2012), Kunsthalle Rostock (14.10.2012 bis 24.01.2013).
Ausstellungsdauer: 4. Februar bis 22. April 2012
Öffnungszeiten: Di. 11 – 20 Uhr, Mi – So. 10 – 17 Uhr, Feiertage 10 – 17 Uhr, Fastnachtsdienstag geöffnet, Karfreitag geschlossen, Ostersonntag und -montag geöffnet
Information: www.mpk.de, info@mpk.bv-pfalz.de, Telefon: 0631 3647-201, Fax: 06313647-202
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