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1. FCK

Aktuelles aus
Kaiserslautern

Auf nach
London!

Fritz Walter

Der Erfinder von Kaiserslautern

Am 31.10. wäre Fritz Walter 90 Jahre alt geworden. Er war weit mehr als ein großer Fußballer: Moralisches Vorbild, laut Altbundeskanzler Kohl „Mitbegründer der Bundesrepublik“, Ikone der Nachkriegzeit und auf die Frage an ein kleines Mädchen, wer Fritz Walter sei, auch „Erfinder von Kaiserslautern“. Und in gewissem Sinne stimmt das auch...

 

Fritz Walter: Die Jugendjahre

Fritz Walter Jugend
Original-Bildunterschrift der historischen Zeitungsausgabe: „Sie tollen einmal nicht hinter einem Stoffetzen oder einer Blechbüchse hinterher, die Lautringer Buben, sondern stellen sich lachend dem Fotografen.“ Ganz links Ottmar Walter, ganz rechts Fritz Walter. Foto mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Walter-Museums Alsenborn
Fritz Walter mit 18
Fritz Walter im Alter von 18 Jahren am Anfang seiner Karriere. Foto mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Walter-Museums Alsenborn

Vom Straßenfußball zum Nationalspieler -
Fritz Walter begeisterte schon früh mit seinen Fußballkünsten

Die Walters waren zu Hause fünf Kinder, der Älteste war der schmale Friedrich. Er kam am 31.10.1920 auf die Welt, ein halbes Jahr nachdem auf dem Betzenberg zum ersten mal gespielt wurde. Vorher wurden die Spiele auf der Eselsfürth ausgetragen. Dort fühlte man sich aber durch die Radrennbahn eingeengt. Fritz Walter und der Betzenberg haben also das gleiche Geburtsjahr. Fritz Walter blieb nicht Einzelkind. Es folgten Ludwig, Gisela, Ottmar und Sonja. Ihr Vater war über 40 Jahre lang Wirt des Vereinsheims des 1. FC Kaiserslautern, das immer noch existiert und unter dem Namen „Stammhaus Walter Elf“ seinen angesehenen Platz in der Lautrer Restaurant-Szene hat.
Bereits in frühester Kindheit entdeckte der kleine Fritz seine Liebe zum Fußball, beim „Kanälches-Spiel“ in der Straße seiner Eltern blitzte schon sein Talent auf. So ging der kleine Fritz zum feineren FV Kaiserslautern, denn seine Mutter war Berlinerin, redete hochdeutsch und sie verlangte ein paar Fußballschuhe für ihren Sohn, die der benachbarte und damals bessere Arbeiterklub VfR Kaiserslautern nicht bieten konnte. Es waren also die Fußballschuhe, die wie bei Franz Beckenbauer die „depperte Watsch‘n“ Schicksal spielten, die dem Kaiser beim Lokalrivalen 1860 München verpasst wurde und ihn aus Zorn zu den Bayern führte.
Der kleine Fritz, wie ihn jeder nannte, kam in die Schülermannschaft des FV Kaiserslautern, der sich kurze Zeit später mit Phönix Kaiserslautern zum 1. FC Kaiserslautern zusammentat.
Schon 1936 soll der 16-Jährige per Ausnahmegenehmigung als Profi spielen. Ein Arzt verhindert dies, weil Walter viel zu schmächtig sei. Erst eine einjährige mittägliche Essenskur in der Kaiserlauterer Metzgerei Speyrer, die immer noch in der Glocken-/Beethovenstraße ansässig ist, macht das Ausnahmetalent reif für die erste Mannschaft.
Sein Debüt in der A-Mannschaft des FCKs gab Fritz mit 17 Jahren beim Spiel gegen den SV Niederauerbach, in dem er gleich vier Tore erzielte. Er lief als Stürmer mit der Nummer 8 auf den Rücken auf – heute wäre er wohl eher Mittelfeldspieler. Wenig später sorgte er mit drei Toren gegen die
SG Burbach für den direkten Wiederaufstieg des 1. FC Kaiserslautern in die Gauliga. Leben konnte man zu dieser Zeit nicht davon, Fritz Walter machte daneben eine Lehre als Bankkaufmann.

In der Saison 1938/39 spielte Fritz Walter in der Bezirksliga und schon mit 19 gab er beim 9:3 gegen Rumänien am 14. Juli 1940 ein gelungenes Debüt in der Nationalmannschaft. Beim Einlaufen wirkte er noch wie ein verschüchterter Schulbub, doch auf dem Spielfeld wandelte er sich zu einer starken, spielgestaltenden Persönlichkeit. So schoss er auch drei der neun Tore persönlich. Nur die kriegsbedingte Zwangspause von 1942 bis 1950 für die deutsche Nationalmannschaft verhinderte, dass seine internationale Karriere nicht mit weit über 100 Länderspielen zu Ende ging. Ihm wurden die besten Fußballerjahre geraubt.
Text: Jens Vollmer

 

 

 

Die Kriegszeit

Exklusiver Fund bei der Recherche zu diesem Artikel: Ein signiertes Foto des Fliegeroffiziers Hermann Graf fand sich hinter einem anderen Bild im Bilderrahmen, datiert am 20.12.1943: „Dem Obergefreiten Fritz Walter zum Dank: Meiner Fußballelf „Rote Jäger“ zur Erinnerung. Heil und Sieg! Ihr Hermann Graf“, Fotos mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Walter-Museums Alsenborn

Als der Krieg begann, kam Fritz Walter zur Infanterie nach Frankreich, Sardinien und Korsika und hatte das Glück, einflussreiche Fürsprecher zu besitzen. Es gab den fußballverrückten Fliegeroffizier Hermann Graf, selbst Torwart, Träger des Ritterkreuzes und Geschwaderchef – er holte sich mit Hilfe von Reichstrainer Sepp Herberger aus allen Einheiten die besten Spieler, darunter viele Nationalspieler, und ließ sie als die „Roten Jäger“ spielen. Hier liegt der Ursprung der späteren „roten Teufel“. Es war so etwas wie eine Frontbetreuung, die anderswo von der Film-Prominenz wahrgenommen wurde, um die Soldaten bei Laune zu halten und schützte zeitgleich die begabten Fußballer vor Kampfeinsätzen. Bis zu 30.000 Soldaten schauten den Fußballspielen zu.
Fritz Walter geriet mit 24 Jahren in Marmara-Sziget an der rumänisch-russischen Grenze in sowjetische Gefangenschaft, wo er seinen Bruder Ludwig traf. Sowohl die Gefangenen als auch die Bewachungstruppen spielten dort Fußball.
Diese sahen das Talent von Fritz Walter, sprachen ihren Kommandanten an - und schon am nächsten Tag spielte der Gefangene in der Mannschaft der Wachsoldaten gegen eine andere russische Mannschaft. Der für dieses Lager zuständige sowjetische General entpuppte sich als begeisterter Fußball-Anhänger. Er kam zu fast allen Spielen, begeisterte sich an Fritz Walters Fußballkunst. Als die Auflösung des Lagers und der Abtransport der Gefangenen ins Innere der Sowjetunion bevorstanden, entschied der General: „Fritz stammt aus Kaiserslautern, das liegt in der französisch besetzten Zone, also ist er Franzose und kann nach Hause fahren!“  So bewahrte ihn und Bruder Ludwig die Fußballkunst vor dem tödlichen Transport nach Sibirien. Fritz Walter war ein Beweis für die Grenzen und Fronten überspringende Faszination des Fußballs. Im Oktober 1945 kehrten die Brüder ins verbrannte und verwüstete Kaiserslautern zurück. Zum Verzücken der hungernden Menschen lief er schon wieder der Lederkugel hinterher.
„Dehäm iss dehäm“, hat er gern gesagt, er fühlte sich wohl in seiner Heimat.
Text: Jens Vollmer

 

 

Die roten Jäger

Von den „Roten Jägern“ zu den „Roten Teufeln“

Mitten im Krieg gründete der damalige Reichstrainer Sepp Herberger zusammen mit dem Major Hermann Graf die Soldatenfußballmannschaft „Rote Jäger“. Berühmtester Spieler war Fritz Walter. Beim Wiederaufbau des 1. FCKs nach dem Krieg legte dieser fest: in Zukunft spielt der 1. FCK in Rot und die „Roten Teufel vom Betzenberg“ waren geboren.


1965 traten die „Roten Jäger“ der Luftlandebrigade 26 der Bundeswehr die Nachfolge jener berühmten Soldaten-Elf  aus dem Zweiten Weltkrieg an. Taufpaten waren Fritz Walter und Box-Europameister Karl Mildenberger. Ihr Auftaktspiel bestritt die Mannschaft gegen den 1. FC Kaiserslautern, in dessen Reihen damals noch WM-Stopper Liebrich spielte. In den folgenden Jahren absolvierte die Mannschaft viele Spiele gegen namhafte Mannschaften aus ganz Deutschland und auch Fritz Walter trug beim einen oder anderen Spiel das Trikot der „Roten Jäger“. Selbst Bundestrainer Jupp Derwall schulte die Mannschaft in Ballbehandlung, Taktik und Technik und bekannte 1969: „Ich habe gerne mit den Buben gearbeitet.“ Rund 20 Spiele im Jahr, Auszeichnungen und Jubiläumsfeiern kann sich die Mannschaft auf die Fahnen schreiben, darunter auch einen Festgottesdienst mit Pfarrer Udo Sopp und ein Tag mit Franz Beckenbauer vor seinem Abflug nach New York. 1972 wurde die Brigade von Zweibrücken nach Saarlouis verlegt und es wurde still um die Mannschaft. Hauptmann Hugo Zöller gelang zwar mit engagieren und jungen wehrpflichtigen Sportlern die Wiederbelebung der Mannschaft, aber 1991 kam mit der erneuten Verkürzung der Wehrzeit das endgültige Aus.

Doch ein paar „alte Hasen“, darunter Hugo Zöller und Winfried Balke, bauten die Reservistenkameradschaft Sport und richteten den ersten Clubraum innerhalb der Kaserne ein. Die Gemeinschaft wächst ständig und hat inzwischen über 100 Mitglieder. Sie halten die langjährige Tradition der „Roten Jäger“ in ihrer Freizeit auch heute noch hoch. Im Clubraum gibt es „Traditionsecke für Fritz“, auf dem Traditionsstein in der Graf-Werder-Kaserne ist ein Emaille-Bild von Fritz Walter angebracht und die Fritz Walter-Rosen sind hier auch gepflanzt. Jedes Jahr legt die Traditionsgemeinschaft zum Todestag von Fritz Walter ein Bukett auf sein Grab und Ehrenpräsident Hugo Zöller spielt auf seiner Trompete. Die wichtigste Aufgabe ist den „Roten Jägern“, das Andenken an ihren Ehrenspielführer Fritz Walter zu bewahren. „Er war uns ein Vorbild an Treue, Vaterlandsliebe, Bescheidenheit und echtem sportlichen Geist. Er war ein Freund, von dem wir alle gelernt und somit für das Leben profitiert haben.“
Text: Petra Rödler

 

 

Familie Lutzi vom Fritz-Walter-Museum Alsenborn, Foto: Vollmer

Sonderausstellung im Fritz-Walter-Museum in Alsenborn

Vom 10.Oktober bis 30.November, präsentiert die Familie Bernd Lutzi, im Fritz-Walter-Haus in der Leininger Straße 104, Alsenborn zum bisherigen Museum eine kleine Sonderausstellung. Anlass ist der 90. Geburtstag, den der Ehrenspielführer der deutschen Fußballnationalmannschaft am 31.Oktober, feiern würde.
Es wurden in Zusammenarbeit mit der Traditionsgemeinschaft „Rote Jäger“, Bilder und Dokumentaberichte aus Fritz Walter´s Militärzeit zur Besichtigung vorbereitet. Diese Dokumente waren bisher der Öffentlichkeit nicht zugänglich, da sie in der Graf Werder-Kaserne in Saarlouis untergebracht waren. Dort ist der Stab der Luftlandebrigade 26 („Saarland-Brigade“) stationiert.
Die Gründung der Fußball-Militärmannschaft „Rote Jäger“ im Jahre 1942 mit dem damaligen Reichstrainer Seppl Herberger, dem Höhenflieger und Major Hermann Graf, sowie dem „Obergefreiten Fritz Walter“ gab den Soldaten damals die Chance, die Leiden dieses unsinnigen Krieges zu ertragen.
Die Traditionsgemeinschaft „Rote Jäger“, wie auch die Fallsschirmkameradschaft „Fritz Walter“ ehren an jedem Geburtstag und jedem Todestag unseren Ehrenspielführer mit einer besonderen Feierstunde.
Diese beiden Gruppen betreuen gemeinsam die Luftlandeaufklärungskompanie 260, die in diesen Tagen von ihrem Kriegseinsatz aus Afghanistan zurückgekehrt ist. So konnten am 06.Oktober 2010 diese besonderen Gäste im Fritz-Walter-Museum in Alsenborn begrüßt werden. Die Kompanie wurde herzlich von Herrn Staatssekretär Roger Lewentz und von Herrn Verbandsbürgermeister Jürgen Wenzel begrüßt.
Unterstützung fand dieser Empfang mit ca. 100 Personen, durch die langjährigen Werbepartner von Fritz Walter, der Brauerei Bischoff aus Winnweiler und der Sektkellerei Reis aus Deidesheim, die auch während der Sonderausstellung ihre komplette Produktpalette an Fritz-Walter-Präsenten anbieten. Neu und nur für kurze Zeit im Angebot ist ein italienischer Frizzante Rosewein, der mit dem Geschäftspartner und Freund, Achille Grassi (Bildhauer des Denkmals) für den 90. Geburtstag produziert wurde.
Die Besichtigungen sind ab Gruppen von 8-10 Personen bitte wie bisher vorher anmelden, unter: 06303-6696. Bei Anschluss an bestehende Besichtigungsgruppen natürlich auch weniger Personen.
Der Eintritt kostet einschließlich einem Glas Fritz-Walter-Sekt 3,- EUR. Kinder und Schulklassen sind frei. Auf Ihren Besuch freut sich das Fritz-Walter-Museum.

 

 

Damals hießen die treuesten der Treuen nicht „Ultras“ und auch nicht „Fans“, sondern Schlachtenbummler, hier auf dem Weg nach Berlin zum Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1951.
Kaiserslautern stand Kopf und die Anhänger des 1. FCKs benannten die Stadt in „Walterslautern“ um.

Kaiserslautern wird Meister

Nach dem Krieg führte Fritz Walter den 1. FCK wieder zusammen und war sogar kurze Zeit Trainer der roten Teufel, wie sie sich fortan nannten. Schon 1948 erreichte der FCK das erste Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Lukrative Angebote lehnte Fritz Walter ab.

Wer Fritz Walter spielen sah, vergaß diese Bilder nie. Sein instinktiver Fußball verzauberte ganz Deutschland. Er beherrschte alles, was der Fußball an technischer Raffinesse zu bieten hat: das überraschende Kurzpassspiel, den direkten Pass in den Lauf des Mitspielers, die gefühlvolle Flanke ebenso wie den Absatzkick und den mit
Effet geschlagenen Eckball.
Er schlenzte das Leder mit der Hacke über den eigenen Kopf, mitunter direkt ins gegnerische Tor. Fritz Walters Gedanken eilten schon zwei Spielzüge voraus. Mit seiner Wendigkeit, mit der Fähigkeit, blitzschnell eine Spielsituation zu erfassen und sofort in Aktion umsetzen zu können, wuchs er bald aus den Stiefeln eines „Nur-Torjägers“ in die Rolle des Spielgestalters. Der „Friedrich“, wie ihn respektvoll seine Mitspieler nannten, erwarb sich schnell weit reichende Autorität. Er gehörte nicht zu den Lauten im Lande, doch sein Wort hatte großes Gewicht - nicht nur auf dem Platz.
Das Spiel 1948 verloren die Lautrer gegen den 1. FC Nürnberg mit 1:2. Dieses Endspiel war der Beginn des Mythos „Walter Elf“. Neben Fritz Walter gehörten sein Bruder Ottmar, Werner Liebrich, Werner Kohlmeyer und Horst Eckel zur späteren Weltmeistermannschaft, die mit einem 2:1 gegen Preußen Münster dem 1. FC Kaiserslautern 1951 die erste Deutsche Meisterschaft erkämpfte.
Beide Tore schoss vor 85.000 Zuschauern Ottmar Walter.
Schon 1953 folgte der zweite Meistertitel mit einem 4:1 gegen den VfB Stuttgart.  Das erste Tor wurde von Fritz Walter erzielt. Weitere Endspiele gingen verloren: 1954 gegen Hannover 96 (5:1) und 1955 gegen Rot-Weiß Essen (4:3).
Mit Richard Schneider, auch ein Eigengewächs des FCKs, hatten die roten Teufel seit 1950 einen Trainer, der nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch medizinisch bewandert war und die Truppe mit vielen Naturheilmitteln fit hielt. So sollen Blutergüsse mit der Auflage von Steaks behandelt worden sein, geliefert von der nahegelegenen Metzgerei Speyrer - zumindest so lange, bis die Blutergüsse unglaubwürdig viel wurden...
Es dauerte nicht lange, da sprach man auch im Ausland von der Walter-Elf. Es kamen Angebote aus Italien und aus Frankreich. Racing Paris, damals eine der ersten Adressen in Europa, bot ein unvorstellbares Handgeld von einer Viertelmillion Mark. 1951 lockte Atletico Madrid mit einer halben Million, 4000 Mark monatlichem Gehalt und einer mietfreien Wohnung. Sepp Herberger verhinderte die Abwanderung seines Mannschaftskapitäns. Er verhalf Walter stattdessen zu einem von Kaiserslautern getragenen Kredit zur Einrichtung einer Wäscherei und eines Kinos.
Fritz Walter erzählte damals in BILD über seine Entscheidung:
„Schätzche, was mache mer?“ hab‘ ich meine Frau Italia gefragt. „Brauchst du mich doch gar nicht erst zu fragen“, hat sie mir geantwortet, „da oben dein Betzenberg, der Chef, dein FCK, die Nationalmannschaft...“ So ging ich nicht nach Madrid, blieb Kaiserslautern treu!“
320 Mark im Monat verdiente Fritz Walter in Kaiserslautern...
Text: Jens Vollmer

 

 

Fritz Walter, Horst Eckel undSepp herberger in Bern 1954 als frisch gebackene Weltmeister
Fritz Walter, Horst Eckel und Sepp Herberger auf den Schultern der jubelnden Fans nach dem WM-Sieg. Foto mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Walter-Museums Alsenborn

Interview mit Horst Eckel: Fritz Walter muss man lieben

Horst Eckel war 1954 mit 22 Jahren der jüngste „WM-Held“. Der 38-fache Nationalspieler, der von 1949 bis 1960 auf dem Betzenberg spielte, wurde 1951 und 1953 mit dem 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister.

Knapp 50 Jahre nach dem WM-Sieg unterstützte Horst Eckel Regisseur Sönke Wortmann als Berater bei der Entstehung des Kino-Erfolgs „Das Wunder von Bern“. Seit 1997 ist er für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung unterwegs.

Woran denken Sie, wenn Sie an Fritz Walter zurück denken?
Horst Eckel: „Wenn ich an Fritz Walter denke, denke ich zurück an einen sehr guten Freund. Uns verband aber noch etwas mehr: es war ein Vater-Sohn-Verhältnis. Das habe nicht ich, sondern das hat Fritz immer gesagt. Das war für mich eine große Auszeichnung. Als junger Mann mit 17 Jahren aus einem kleinen Ort kommend, war es für mich damals ein großer Schritt, hier nach Kaiserslautern zu kommen und mit Fritz Walter Fußball spielen zu dürfen.“

Der Gewinn der WM 1954 war mit Sicherheit ihr größter Erfolg zusammen mit Fritz Walter. Gibt es ein persönliche Erlebnis oder ein Erlebnis, an das sie sich besonders gerne zurück erinnern?
„Da gibt es unheimlich viele Dinge mit Fritz Walter an die ich mich gerne erinnere. Wenn man zehn Jahre zusammen spielt, hat man so viele Sachen erlebt, dass ich da gar nichts Großes herausgreifen will. An eine Sache erinnere ich mich gerne: Wenn wir mit dem Bus  weg gefahren sind, hat er immer vorne beim Trainer gesessen. Wenn er dann während der Fahrt auf der Straße jemand gesehen hat, zum Beispiel einen Schornsteinfeger, hat er gesagt: „Heute gewinnen wir das Ding! Heute läuft das Spiel!“
Umgekehrt war es genauso. Wenn er etwas gesehen hat, was ihm nicht gefallen hat, hat er immer gesagt: „Komm, lass mich bitte aussteigen!“ Von diesen kleinen Geschichten könnte ich Hunderte erzählen. Ich habe so viel mit ihm zusammen erlebt… Da haben wir mal in Pirmasens gespielt, es stand 3:3 und kurz vor Schluss haben die das 4:3 gemacht. Ich war an deren Sieg mit beteiligt, weil ich immer nach vorne gelaufen bin, den Sieg machen wollte… Wir haben das Spiel verloren und ich wusste schon, was kommt. Fritz kam rein, hat die Schuhe in die Kabine geworfen und hat geschimpft. Er hat keinen Namen genannt – ich wusste aber genau, wen und was er meinte…
Für mich war es eine tolle Zeit und ich habe Fritz Walter unheimlich viel zu verdanken. Ohne ihn wäre ich so schnell nicht in die Mannschaft gekommen, ich wäre nicht so schnell Deutscher Meister geworden, ich wäre nie so schnell in die Nationalmannschaft gekommen und ich wäre nie so schnell Weltmeister geworden.“

Was haben Sie persönlich an Fritz Walter geschätzt?

„Er war ein normaler Fußballer. Er war zu seiner Zeit und für mich auch heute noch einer der besten Fußballer, die wir je in Deutschland gehabt haben. Aber er war nie einer, der gesagt hat: „Ich bin der Mann“ oder „Ich bin der Beste!“. Das hat man von Fritz nie gehört. Er ist immer mit den Füßen auf dem Boden geblieben und das habe ich von ihm gelernt. Auch ich bin heute noch mit den Füßen auf dem Boden. Wie gesagt: für mich war er einer der Besten – und als Mensch sowieso!“
Interview: Petra Rödler

 

Fritz Walter und Puskás

Puskás brauchte lange, um ein Freund zu werden

Es ist der 2. April 1997. Ungarn feiert einen seiner größten Söhne: Ferenc Puskás wird 70 Jahre.  Er ist Fußballer und Trainer. Vor einigen Jahren ist er aus Australien zurück, wo er jahrelang lebte, trainierte. Ungarn, Spanien und Australien, das sind seine Stationen. Es war fast wie ein Befehl  der Ungarn, den größten Fußballer aller Zeiten endlich wieder in die Heimat zu holen.

Nach dem Volksaufstand 1956 emigrierte er nach Spanien, der ungarische Verband sperrte ihn daraufhin über die FIFA 18 Monate lang. 1958 konnte er dann für Real Madrid spielen, wo er den zweiten Höhepunkt seiner großen Karriere erlebte. Dreimal wurde er mit Real Europapokalsieger, darunter war das legendäre 7 : 3 gegen Eintracht Frankfurt 1960 in Glasgow. Vier Tore schoss Puskás. Puskás hatte inzwischen die spanische Staatsbürgerschaft übernommen und spielte 1962 bei der WM in Chile für die Spanier. Mit einer Spanierin war er auch verheiratet.
Im April 1997 feierte ihn ganz Ungarn. Er war wieder ganz Ungar, unverwechselbar, wieder angekommen, und man spürte, dass er danach gelechzt hatte. Puskás, der Sensible, der Eitle, der Verfolgte, der sich so oft mißverstanden fühlte, er war wieder auf dem Boden angekommen, der seine Heimat war. 2006 verstarb er auch in Budapest und dort ist er auch begraben.
2. April 1997. Fritz Walter reist nach Budapest zu Ehren von Ferenc. Sie sind nach der WM 1954 lange nicht zueinander gekommen. Das Bild von der Ehrung der deutschen Weltmeister im Berner Wankdorfstadion war um die Welt gegangen. Fritz Walter hatte aus der Hand von FIFA-Präsident Jules Rimet den Pokal bekommen. Puskás gratulierte und sah an dem Deutschen vorbei. Es war ein flüchtiger, fast peinlicher Glückwunsch und die Welt verstand, wie sehr es Puskás schmerzen musste. Die Unschlagbaren hatten verloren gegen den Nobody, den sie in der Vorrunde mit 8 : 3 abgefertigt hatten. Und auch im Endspiel hatten sie nach 9 Minuten durch Tore von Czibor und Puskás 2 : 0 geführt. Alles nahm den erwarteten Verlauf. Doch dann kamen die Deutschen: Morlock und zweimal Rahn. Einmal, als Puskás eine Riesenchance vergeben hatte, warf er sich auf den Boden, hämmerte auf den Rasen und brüllte Ärger und Wut über das Unfassbare heraus.
Für Ferenc Puskás und seine Mannschaft, die von 1950 bis 1954 kein Spiel verloren hatte, war die Niederlage von Bern mehr als nur eine sportliche Entwürdigung, es war der Verlust von Identität, Stärke, ja Würde.
Die Tränen einer Nation entluden sich in Wut bei der Rückkehr der Mannschaft nach Budapest.
Ungarn war in seiner ganzen Ehre getroffen und am meisten Puskás, der stolze Major der ungarischen Armee, der seine Mannschaft wie ein Feldherr in die WM in der Schweiz geführt hatte, siegesgewiss, unantastbar, unverwundbar und logischerweise unschlagbar.
Was für Deutschland auch politisch gesehen als das „Wunder von Bern“ von enormer sozialer und gesellschaftlicher Bedeutung war, es war dies auch für Ungarn, aber eben im Negativen.
Fritz Walter und Puskás sind sich Jahre danach nie begegnet. Fritz hatte sicher auch ein wenig Angst vor dieser Begegnung und Puskás hat sie nicht gewollt. Die Niederlage von Bern brauchte Jahrzehnte, um einigermaßen erklärbar zu werden. Vergessen wird sie für einen Ungarn nie.
Puskás halfen die Jahre des schönen Lebens in Madrid. Er wurde noch einmal ein Star, einer dem die Massen zujubelten. So wie einst in Ungarn. Wie kein anderer großer Fußballer vorher und danach lebte Puskás in zwei Welten, die ihn verehrten: Ungarn und Spanien.
An seinem 70. Geburtstag ist aus der Begegnung der beiden großen Fußballer längst Normalität geworden. Man hat sich inzwischen in Deutschland und in Ungarn getroffen, ist sich näher gekommen, hat miteinander gesprochen. Puskás, introvertiert, teilweise auch misstrauisch, hat zu Fritz längst Vertrauen gefunden. Er hat den Menschen Fritz Walter entdeckt, erfahren, was er im Alltag macht, dass er sich um andere Menschen kümmert, dem Fußball weiter verbunden ist. Puskás hat Fritz Walter in Kaiserslautern erlebt, einmal auch in Alsenborn. Im Nationaltheater von Budapest findet der Geburtstags-Festakt statt. Viele große sind gekommen: Di Stéfano, Gento, Masopust und eben Fritz Walter. Fritz wird auf der Bühne interviewt. Es gibt die Lebensgeschichte von Puskás zu sehen, das Fernsehen überträgt live. Es macht uns stutzig, dass im Film über das Leben von Puskás das Jahr 1954 nicht erscheint. 1952 ist dabei mit dem Olympiasieg in Helsinki, 1953 mit dem 6 : 3 Sieg gegen die Engländer in Wembley, aber 1954 fehlt. Ich versuche es Fritz zu erklären. Er möchte nicht daran erinnert werden, der Puskás, an seinem Festtag. Das mag man nicht verstehen, aber Ungarn sind eben so. So sage ich es Fritz. Und dann kommt eine Aussage, die mich umwirft. Fritz meint: „Meinst Du, wenn ich gleich auf der Bühne stehe, soll ich mich dafür entschuldigen, dass wir 1954 gewonnen haben?“ Nachdem ich sicher bin, dass er es auch so gemeint hat und wohl gedacht hat, so könne man Puskás an seinem Geburtstag ein besonderes Geschenk machen, erkläre ich Fritz, dass er soweit doch nicht gehen müsse.
1954 sei es eben  3 : 2 ausgegangen und 43 Jahre danach habe auch Puskás das inzwischen kapiert. Er müsse sich nicht entschuldigen. Das hat er dann auch nicht getan, aber er hat gesagt, Puskás sei der größte Fußballer der Zeit gewesen, sein Freund, und er sei stolz darauf, dass man ihn aus Deutschland eingeladen habe. Das sei eine große Ehre und er hoffe sehr, dass Puskás auch zu seinem 80. Geburtstag in ein paar Jahren nach Kaiserslautern kommen werde.
Riesenbeifall. Puskás kommt auf die Bühne. Er umarmt Fritz, hält seine Hand, sagt nichts. Ich glaube, er hatte eine kleine Träne in den Augen. Ja, nach 43 Jahren weiß auch er, dass sie 1954 nicht gewonnen haben. Es schmerzt jeden Tag, aber Fritz Walter ist heute sein Freund.
An diesem Abend des 2. April 1997 fahren wir mit einer Kutsche durch Budapest zu einem großen Fest zu Ehren von Puskás. Er und Fritz Walter sitzen nebeneinander, Di Stéfano und Masopust, der Tscheche, gegenüber. Es gibt Wein und Geigenmusik, mehrere Reden und einen Film, wieder ohne 1954. Puskás spricht, ganz kurz, dankbar, er spricht nicht von 1954, aber er spricht über Fritz Walter. Und als er an seinen Tisch kommt, da sehe ich, dass er die Hand von Fritz drückt. An diesem Abend in Budapest sind sie sich ganz nahe. Jetzt ist es für Momente egal, wer 1954 gewonnen hat. Der Schmerz wird morgen wieder da sein.

Ich will noch von einer anderen Begegnung berichten. Sie findet an der Mosel statt. Puskás, Hidekuti, Czibor, Buzansky und Grosicz sind aus Ungarn da und Fritz Walter, Ottmar Walter, Werner Liebrich und Horst Eckel aus Kaiserslautern. Es ist einer der Abende, die man nie vergisst, weil sie heiter und sentimental, lustig und unvergessen sind. Puskás ist noch ruhiger als sonst. Fast meint man, der Abend gehe an ihm vorbei, er spüre gar nicht, was geschieht. Es ist das Treffen von neun von 22 aus 1954. Irgendwann steht Puskás auf und verschwindet. Das macht er öfter. Wir denken, er geht zu Bett, ohne etwas zu sagen, einfach so, peinlich, ärgerlich für die anderen. Doch dann ist er wieder da. Er hat sich eine Geige besorgt von einem der Musiker. Und jetzt macht er Musik. Yehudin ist es nicht, aber viel schöner. Ungarisch, traurig, so als gehe die Welt in wenigen Minuten unter, aber Puskás läßt sie wieder auferstehen, er wird schneller, es ist immer noch nicht Yehudin, aber es ist einzig.
Dieser Abend an der Mosel verschmilzt die Spieler von 1954. Horst Eckel ist gerührt wie ein kleiner Junge, der verschmitzte Hidekuti lächelt. Eigentlich redet er noch weniger als Pukás, aber dann singt er.
Einer der besten Fußballer aller Zeiten, der beste Linksfuß neben Maradona in der Fußball-geschichte, der Ungar Ferenc Puskás, ist an diesem Abend Fritz Walter und den Deutschen unendlich nahe.
Text: Hans-Peter Schössler


aus dem gerade erschienenen Buch:
Fritz Walter - Kapitän für Deutschland

 

 

Fritz Walters Fußballschuh 1954, Foto: Adidas
Das Endspiel, Foto mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Walter-Museums Alsenborn

Das Spiel der Spiele

Sepp Herberger vernarrte sich früh in den Alleskönner, machte ihn zum Spielmacher unter den ganz Großen und damit zum „ungekrönten König“ seiner
Generation.
Fritz Walter war der „verlängerte Arm“ auf dem Platz. In mitunter stundenlangen Gesprächen legten sie die Taktik fest. Sorgte der Gegner mal für unvorhergesehene Überraschungen, genügte meist ein kurzer Blickkontakt zwischen dem Kapitän auf dem Platz und dem Trainer auf der Bank, um dem durch Umstellungen in der eigenen Mannschaft zu begegnen.
Im Alter zwischen 21 und 29 Jahren, den besten im Leben eines Fußballers, musste Fritz Walter ohne Nationaltrikot auskommen. Doch für Herberger war es selbstverständlich, auf den Pfälzer zu setzen, als die deutsche Nationalmannschaft 1950 wieder am internationalen Spielbetrieb teilnehmen durfte. Für die Nationalmannschaft lief Fritz zwischen 1940 und 1958 61-mal auf und erzielte 33 Tore, was ihn bis heute zu einem der torgefährlichsten deutschen Mittelfeldspieler aller Zeiten macht. Bei der Weltmeisterschaft 1958 in Schweden wurde er von dem schwedischen Abwehrspieler Parling grob zusammengetreten und schwer verletzt. Er beendete danach seine internationale Laufbahn. Er wurde als Erster zum Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft ernannt.

Exklusiv für BILD Schrieb Fritz Walter über den Erfolg des 54er- Finales:
„Der Vater des Erfolgs war Bundestrainer Sepp Herberger - für uns nur „de Chef“. Als Kapitän war ich sein verlängerter Arm auf dem Platz, in alle Pläne eingeweiht. Als wir zum Finale ins Berner Wankdorf-Stadion fuhren, konnte ich es nicht glauben: Die Scheibenwischer im Bus liefen mit doppelter Geschwindigkeit, so ein Regen! Ich saß neben dem Chef. Herberger legte mir die Hand aufs Bein und sagte: „Fritz, Ihr Wetter.“ Ich antwortete: „Chef, ich hab‘ nichts dagegen.
So lange wie möglich 0:0 halten“, war Herbergers Plan. Trotz „Fritz-Walter-Wetter“ führte Ungarn aber nach 8 Minuten durch Puskas und Czibor 2:0 - zwei dumme Abwehrfehler. An diesem Tag warf uns das aber nicht um. Nach den Toren von Max Morlock und Helmut Rahn zum 2:2 sprach ich‘s in der Pause erstmals laut aus: „Die sind ja zu packen.“ Und wir haben‘s gepackt: 6 Minuten vorm Abpfiff schoß „Boß“ Rahn das 3:2 - Deutschland war Weltmeister! 2500 Mark und eine Polstergarnitur gab‘s für den Titel....

 

 

Das Jahrhundertor

120.000 Zuschauer sahen Fritz Walters legendäres Hacken-Tor in Leipzig.

Am 6. Oktober 1956 trafen im zwei Monate zuvor feierlich eröffneten Zentralstadion in Leipzig der 1. FC Kaiserslautern und der SC Wismut Karl-Marx-Stadt (der heutige FC Erzgebirge Aue) in einem Freundschaftsspiel aufeinander. Knapp 120.000 Zuschauer sahen den zu dieser Zeit absolut außergewöhnlichen Vergleich zwischen Vereins-Mannschaften aus Ostdeutschland und aus der Bundesrepublik in dem damals größten Fußball-Stadion Deutschlands. Die „Roten Teufel“ siegten 5:3, aber den Zuschauern blieb vor allem Fritz Walters legendäres Hacken-Tor in bleibender
Erinnerung.

Gerade deswegen, weil es von diesem außergewöhnlichen Moment, wie vom gesamten Spiel, keinerlei Fernsehaufnhamen gibt. Lediglich ein Foto ist der Nachwelt erhalten geblieben. Der Reporter Peter Beyer hatte das glückliche Händchen, angeblich bekam er für das Foto 23 Mark. Viele Reproduktionen waren mit einer nachträglich eingezeichneten weißen Linie versehen, mit deren Hilfe die Flugbahn des Balles gezeigt werden sollte. Ob mit oder ohne Strich: Das Bild ist mittlerweile ein Dokument deutscher Fußball-Geschichte. Weil es eben ein „Jahrhundert-Tor“ war.

In seinem Fußball-Lehrbuch „So habe ich‘s gemacht ...“ erinnert sich Fritz Walter an den wohl schönsten Treffer seiner nicht gerade torarmen Laufbahn: „Der von rechts kommende Flankenball senkte sich hinter meinem Rücken. Da ließ ich mich nach vorne fallen, fast in den Handstand und schlug mit der Hacke zu. Aus zwölf, fünfzehn Metern Entfernung flog der Ball haarscharf ins obere Toreck. Dass es ein Tor wurde, war (...) Glück. Dass ich in dieser Situation aber überhaupt an den Ball kam und ihn traf, das war kein Glück.“ Fritz Walter hatte die Bewegung vielmehr verinnerlicht. Eingeschliffen im Training auf dem Betzenberg, wenn es zum Spaß hieß: „Jungs, jetzt spielen wir mal fünf Minuten italienisch.“ Gerhard Ahrens berichtet, dass er solche Tore öfter machte.

Fritz selbst meinte dazu:
„Natürlich lassen sich im Spiel solche Szenen nicht erzwingen. Und man sollte das auch gar nicht erst versuchen: denn auf normale Art schießt es sich halt doch besser. Wenn aber einmal ein Ball nicht anders zu erreichen ist als mit dem Absatz, dann unterscheidet sich der gute Stürmer insofern vom schlechten, als er auch in dieser Lage die richtige Antwort weiß.“

 

 

Entgegen vieler Meinungen besaß Fritz Walter einen Führerschein, er fuhr nur sehr selten. Auf dem Bild ist er mit seinem ersten Auto zu sehen.
Den Führerschein hat er zusammen mit sieben weiteren Mannschaftskollegen 1959 bei Hans Tiemann in Boppard gemacht, eine der ältesten Ausbildungsbetriebe in Rheinland-Pfalz, der noch heute existiert. Fotos mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Walter-Museums Alsenborn.

Nach der aktiven Fußballer-Zeit

Nach der Fußballer-Karriere hatte die Walterelf sich geschworen, kein Amt beim 1. FCK zu bekleiden, um den Glanz der Erfolge nicht zu trüben.

Fritz Walter engagierte sich in seinem Wohnort Alsenborn für den Sportverein und schaffte es ab 1962 drei mal hintereinander aufzusteigen. Er hatte mit Willi Hölz, Otto Render und Erwin Rödler drei ehemalige Spieler rote Teufel verpflichtet, danach kam noch Gerhard Ahrens dazu und schaffte es bis in die zweithöchste Spielklasse der damaligen Zeit, die Regionaliga Südwest. 1968 errang er die Meisterschaft und wurde dritter der Aufstiegsrunde. Nur der Erste kam in die Bundesliga: Hertha BSC. Ein Jahr später wurde Alsenborn wieder Meister und es fehlte nur ein Punkt zur Bundesliga. 1970 versuchte es Alsenborn ein drittes Mal und wurde wieder nur Dritter.
Danach verließen 31 Spieler den Verein. Auch Fritz Fuchs und Walter Frosch spielten beim Alsenborn, bevor sie zum 1. FCK wechselten.

Fritz Walter blieb bis zu seinem Tod bodenständig und natürlich. Er war allen Menschen gegenüber freundlich, konnte keine Bitte abschlagen und engagierte sich sozial. Er betrieb mit seiner Frau Italia ein Kino in der Karl-Marx-Straße und eine Wäscherei. Viele Jahre war er Repräsentant der Sepp-Herberger-Stiftung. Aus Verbundenheit zum „Chef“. Die Stiftung kümmerte sich um die Resozialisierung jugendlicher Straftäter.

1999 wurde vom Deutschen Fußball-Bund, dem Land Rheinland-Pfalz, dem DFB-Sportförderverein und dem 1. FCK die Fritz-Walter-Stiftung gegründet. Sie fördert die allgemeine sportliche Jugendarbeit und unterstützt auch Maßnahmen zur Integration von Jugendlichen in die Gesellschaft sowie die Leistung eines Beitrages zur Völkerverständigung vor allem mit den mittel- und osteuropäischen Staaten.

Kein Fußballer wurde mehr geehrt als Fritz Walter. Er war der erste Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, das Betzenberg-Stadion wurde in Fritz-Walter-Stadion umbenannt und bekam das Bundesverdienstkreuz. Die einzige Ehrenbürgerschaft des Landes Rheinland-Pfalz, die er zu seinem  80. Geburtstag bekam, wurde für ihn erfunden, weil er alle anderen Auszeichnungen schon hatte.

Am 17. Juni 2002 starb Fritz Walter. Kaiserslautern und ganz Deutschland trauerten um ihn. Nur kurze Zeit nach dem Tod seiner geliebten Frau Italia war er im Alter von 81 Jahren in Enkenbach-Alsenborn verstorben. Die deutsche Nationalmannschaft gedachte beim WM-Spiel gegen die USA (in Japan/Südkorea) ihm mit einer Schweigeminute. Bei der bewegenden Trauerfeier im Fritz-Walter-Stadion sagte der damalige DFB-Präsident Mayer-Vorfelder: „Fritz Walter war mehr als ein Vorbild und Idol - er ist ein Mythos.“
Auch die Westkurve gedachte  mit einer Choreographie beim ersten Heimspiel des FCKs (gegen Schalke) der neuen Saison dem Idol.
An seinem vierten Todestag fand in „seinem“ Stadion das WM-Spiel Italien - USA statt. Gerne hätte Fritz Walters ein Spiel der WM 2006 auf dem Betzenberg erlebt. Ohne sein Engagement im Vorfeld wäre Kaiserslautern nicht Austragungsort der Weltmeisterschaft geworden. Bei diesem Spiel fand im Stadion abermals eine Gedenkminute für Fritz Walter statt. Er ist der Einzige, dem bei zwei WM-Turnieren gedacht wurde.

 

 

Helmut Kohl verleiht Fritz Walter das Bundesverdienstkreuz
Der Kaiser Franz und sein Idol Fritz Walter, Foto mit freundlicher Genehmigung des Fritz-Walter-Museums Alsenborn
Replik des Weltmeisterpokals 1954, Foto: Vollmer

Andere über Fritz Walter

„Fritz Walter hat an der Geschichtsgestaltung nach 1945 sichtbar mitgewirkt.“
Altbundeskanzler Helmut Kohl

 

 

„Die Werte, die Fritz Walter verkörperte,
gibt es heute nicht mehr.“

„Oft sahen wir uns wochen- und monatelang nicht. Aber wenn ich dann Fritz Walter traf, war sofort ein vertrautes Verhältnis vorhanden, das man eben nur zu einem sehr engen Freund entwickeln kann. Natürlich sind der Fußball und die ungezählten Anekdoten, die wir uns immer wieder gerne erzählt haben, die Basis unserer Freundschaft gewesen. Auch wenn Fritz nicht der Kapitän der legendären Weltermeisterelf von 1954 gewesen wäre, hätte sich diese Freundschaft entwickelt.
Ich schätzte an ihm zwar sehr, dass er in früheren Jahren herrliche Pässe geschlagen und schöne Tore erzielt hat, mehr aber seine menschliche Wärme. Immer gut gelaunt, stets für einen Scherz zu haben, aber auch immer bereit für einen guten Ratschlag – so kannte ich Fritz Walter.
Franz Beckenbauer

 

„Fritz Walter interpretierte Fußball als Kunst einer Improvisation.“
Sportpublizist Gerd Seehase

 

Ich erinnere mich daran, wie mein Vater eines Tages zu mir sagte:
„Du steifer Jockel, wenn du so weiter machst, wirst du nie einer wie unser Fritz.“ Das hat mich angespornt. In meinem ersten Länderspiel konnte ich es schon beweisen. Die Weltpresse hat mich gefeiert, und in der Pause kam Fritz und sagte: „Meinst Du, dass du noch eine Halbzeit lang so toll schaffst?“ Ich habe es geschafft.
Fritz ist der große Bruder. Ich hatte nie Probleme mit seinem großen
weltweiten Erfolg. Wir haben uns immer verstanden, waren ein starkes
Gespann. Im Fußball und im Leben.
Ottmar Walter

 

„Wenn man in die Augen von Fritz Walter blickte, entdeckte man pure Freude über das Erreichte und das Glück darüber, dass sein Verein gewonnen hatte und erfolgreich war. All sein Handeln war dem untergeordnet, dass der FCK immer davon profitieren muss. Für ihn stand der FCK über allem. Über jedem Spieler und über jeder handelnden Person.“
Stefan Kuntz

 

„Es gibt drei Gründungsväter der Bundesrepubli. Politisch ist es Adenauer, wirtschaftlich ist es Erhard und mental ist es Fritz Walter. Eigentlich war 1954, der 4. Juli, das Gründungsdatum der Bundesrepublik.“
Historiker Joachim Fest

 

„Fritz Walter hat das Bild der Deutschen in der Welt sympathischer gemacht.“
Altbundespräsident Johannes Rau

 

 

Ein halbes Glas für einen ganzen Kerl

Meine erste Begegnung mit Fritz Walter war am 25. April 1997. Der FCK machte bis zur Halbzeit kein gutes Spiel gegen Rotweiß Essen. In der Pause kam Fritz Walter in den VIP-Raum am Betzenberg, sichtlich nervös. Er hätte Sekt haben können, aber bestellte sich ein halbes Glas Bier. Er hätte sich auch zu den wirklich wichtigen Leuten gesellen können, doch er setzte sich zu mir. Er sprach so vertraut, offen und einfach wie ein alter Bekannter, aber er war das Idol einer ganzen Generation. Es ist diese Bescheidenheit und Warmherzigkeit, die mich faszinierte und immer noch anrührt, wenn ich an Fritz Walter denke. Schön, wenn seine Art manchem seiner Zunft heute ein Beispiel gäbe.
Dieter Buchholz

 

„Im Umgang miteinander und mit allen Menschen in ihrer Umgebung verkörperten alle vier Weltmeister, die ich kennen lernen durfte, ausnahmslos die wichtigen Werte, die heutzutage in der Gesellschaft leider viel zu häufig fehlen. Anstand, Respekt, Ehrlichkeit, Offenheit, Bescheidenheit und Demut auch im Erfolg – das haben mich besonders die Gespräche mit den Helden von Bern gelehrt und damit bleiben sie für alle Zeiten Leitbilder für kommende Generationen.“
Stefan Kuntz

 

„Fritz Walter war ein einmaliger Sportler, für den Herzlichkeit, Menschlichkeit und Fairness, egal ob im sportlichen Wettkampf oder im alltäglichen Leben, Tugenden waren, die er selbst stets lebte. Und er war ein ganz besonderer Bürger des Landes Rheinland-Pfalz."
Ministerpräsident Kurt Beck

 

 

„Wir haben die schönere Fußballzeit erlebt,
in der alles viel familiärer und kameradschaftlicher“
Fritz Walter

 

„Ich bin ein sehr guter Zuhörer und mag es, wenn besondere Geschichten erzählt und Erinnerungen ausgetauscht  werden. Als ich das erste Mal dabei war, als Fritz und Ottmar Walter, Horst Eckel und Werner Liebrich zusammen saßen und in alten Zeiten geschwelgt haben“, erinnert sich Stefan Kuntz, „waren das unglaublich intensive Momente. Dieser gegenseitige Respekt und die tiefe Verbundenheit untereinander haben mich sehr beeindruckt und geprägt.“
Stefan Kuntz

 

„Wenn noch heute landauf, landab vom großen, alten Fritz gesprochen wird, dann weiß jeder, der sich für Fußball interessiert, wer gemeint ist.Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit Fritz Walter bei der Weltmeisterschaft 1958 in Schweden. Ein Erlebnis, das unsere Freundschaft geformt und geprägt hat, bis auf den heutigen Tag. Fritz Walter, damals 38 Jahre alt, nahm mich, der als Youngster in die Mannschaft kam, in den Arm und fragte besorgt: „Mensch, Uwe, wie sollen wir das bloß schaffen? Ich als alter Mann, wenn das mal gut geht.“Und ich habe geantwortet: „Fritz, mach dir keine Sorgen, ich bin der Jüngste, ich laufe für dich mit.“ Ich glaube, das war der Beginn einer tiefen Freundschaft. Je länger wir uns kannten, desto enger wurde das freundschaftliche Verhältnis.Er war mein Vorbild und ist es noch heute, und das in allen Bereichen des Lebens. Ob sportliche Tipps in meiner Sturm- und Drangzeit oder gut gemeinte Ratschläge für den privaten und beruflichen Bereich, zu ihm konnte ich kommen, wann ich wollte; er war immer für mich da, hatte immer Zeit für mich.Fritz Walter ist und bleibt „mein Ehrenspielführer“. Ein großer Sportler, für den Menschlichkeit, Ehrlichkeit, Herzlichkeit und Fair ness die höchsten Tugenden sind.“
Uwe Seeler

 

Quellen für die Artikel:
- 11 Freunde Special
- Thomas Hilmes von www.der-betze-brennt.de
- Gerhard Ahrens Buch „Der Fritz Walter Mythos“
- Buch „Fritz Walter - Kapitän für Deutschland“
- Fritz-Walter-Museum Alsenborn, Dank an Herrn Lutzi

 

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