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25.03.14

Der Fluch des WM-Stadions

Von: Jens Vollmer im Wochenblatt vom 26.3.2014

Kontraproduktive Kritik seitens des Steuerbundes am 1. FC Kaiserslautern und der Stadt

Streit um das Fritz-Walter-Stadion, Foto: Jens Vollmer

Aufregung bei den Roten Teufeln – der Bund der Steuerzahler hat sich in Person von René Quante - wieder einmal – zu Wort gemeldet. Angeblich habe der FCK in den letzten zehn Jahren über 120 Millionen Subventionen zu Lasten des Steuerzahlers bekommen. Um seinem Auftritt weiteren Nachdruck zu verleihen, erklärte er zudem im SWR, wenn der FCK das alles nachzahlen müsse, könne er Konkurs anmelden. Mit dieser hoch gegriffenen Zahl schaffte es der ehrgeizige neue Geschäftsführer des rheinlandpfälzischen Steuerbundes in die bundesweite Presse. Ob die kolportierte Zahl seriös ist, war der Medienlandschaft erst einmal egal. Die Headline stand. Selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk machte damit Schlagzeile, anstatt die Zahl zu hinterfragen. „Nicht alles davon sehe ich als illegal an“, betont Quante auf Nachfrage gegenüber dem Wochenblatt, „ich wurde falsch zitiert, meine Aussagen wurden weiter gesponnen. Ich vermute innerhalb dieser Gesamtsumme eine eventuelle illegale Beihilfe nach EU-Recht“, korrigiert er.

Die Verantwortlichen des FCKs konnten sich auf der extra einberufenen Pressekonferenz die Summe von 120 Millionen nicht erklären, die Stadiongesellschaft bezeichnete den Vorwurf als „mehr als populistische Äußerung“.  Stefan Kuntz, Vorsitzender des FCKs, kreidet Quante an: „Er hätte bei uns nachfragen können, aber dann hätte er nicht seinen großen Auftritt gehabt.“

Und um genau den großen Auftritt  ging es wohl Quante. Auf Nachfrage erklärte er dem Wochenblatt die für alle überraschend hohe Zahl. Er habe 54 Millionen Zuschuss von Stadt und Land für den WM-Ausbau, die 58 Millionen für den Stadionverkauf, eine 10-Millionen-Patronatserklärung zu den im Geschäftsbericht ersichtlichen weiteren Zuwendungen in Form von Pachtnachlässen addiert.

Dass Bund, Land oder Stadt zu WM-, EM- oder Olympia-Ausbauten Zuschüsse geben, ist allerdings allgemein üblich. Liest man die Artikel der FCK-Kritiker, könnte man meinen, das Fritz-Walter-Stadion sei das einzige, das Zuschüsse bekommen hatte. In der Übersichtspalte hat das Wochenblatt  die damaligen Zuschüsse gelistet, die dokumentieren, dass Kaiserslautern  sich in bester Gesellschaft befindet.

Die ursprüngliche Vereinbarung war, dass der FCK die restlichen Ausbaukosten trage und die wuchsen ins uferlose. Erwin Saile, Geschäftsführer der Stadiongesellschaft,  betonte, dass die Zuschüsse von Stadt und Land auch nicht der FCK bekam, sondern schon die Stadiongesellschaft, also könne man den damaligen Betrag auch nicht dafür in die Waagschale werfen. „Der FCK hatte schon vorher ein bundesligataugliches Stadion mit über 40.000 Plätzen. Der Ausbau für die WM hatte ganz andere Anforderungen, die für den FCK nicht von Nöten waren“, betont Saile. Zudem beklagt  Kuntz: „In über 200 Spielen seit dem Ausbau konnte der FCK nur 15 Spiele ausverkaufen. Wir profitieren nicht von dieser Stadiongröße.“ 

Aber auch ohne WM bekamen Profivereine Zuschüsse: In Mainz waren es beispielsweise 7,5 Millionen vom Land und fünf seitens der Landeshauptstadt – ganz ohne sportliches Großereignis. Zudem wurden die Infrastrukturkosten rund um das Stadion übernommen. Zahlen, die die Presse in der Landeshauptstadt bei Kritik gegenüber dem FCK allzu gerne vergisst.

Auch beim zweiten großen Posten aus Quantes Vorwurf, dem Verkauf des Stadions, sind die Bedenken nicht nachzuvollziehen. Man könne den Verkauf des Stadions nicht als Subvention bezeichnen, schließlich stehe da die Immobilie als Gegenwert gegenüber, erklärt Saile. Dass die damals vereinbarte Miete marktüblich ist, und darum geht es der EU, dokumentiert die Übersicht der Mieten neben diesem Artikel. Ein Blick in die Statuten des EU-Beihilferechts zeigt zudem: Verjährung nach zehn Jahren. Selbst wenn man  am Verkauf des Stadions  rütteln wollte: Der Verkauf des Stadions wurde 2003 vollzogen.

Die Frage bleibt: An welcher Stelle hat denn nun der FCK  den Steuerzahler wahrhaftig belastet? Der Stadionkauf ist im Prinzip erst einmal ein „geschlossenes System“. Die Stadt bürgte für den damaligen Stadion-Kredit, den die Stadiongesellschaft in Höhe von 65 Millionen aufnahm und der FCK bezahlt die Zinsen in Form von Miete. Das heißt, solange der Kredit weiterhin bedient wird, hat das Konstrukt den Steuerzahler noch nichts gekostet. Zumal dem FCK die Kosten für die Instandhaltung der Immobilie komplett aufgebürdet wurden.

Erst die Pachtreduzierungen in den Jahren 2007 bis 2011 führten dazu, dass die Stadt Kaiserslautern per Kapitalzuführung aufstocken musste und zusätzlich eine Patronatserklärung über zehn Millionen abgab, um eine Überschuldung der Stadiongesellschaft zu verhindern. „5,3 Millionen flossen zwar in die Stadiongesellschaft, doch der Bund der Steuerzahler berücksichtigt bei seiner Aufstellung nicht, dass der FCK gerade dabei ist, diese Mietnachlässe zurückzuzahlen“, erinnert Saile an die Abwicklung der „Besserungsscheine“.
Diese wurden damals ausgestellt, damit der Mietnachlass in besseren Zeiten korrigiert werden kann, ohne dass dies damals die Lizenz des Vereins belaste.
 Eine Million zahlte der FCK mittlerweile schon zurück, zudem wurden nachhaltige Investitionen des FCKs in die Immobilie in Höhe von 1,8 Millionen anerkannt. „Der Umbau von VIP-Räumen, die Rasenheizung und weitere Investitionen, die fest mit der Immobilie verbunden sind, kosteten uns 2,8 Millionen. Davon wurden in einem Gutachten 1,8 Millionen anerkannt“, erklärt FCK-Finanzvorstand Fritz Grünewalt. Somit wurde dieser durchaus strittige Punkt schon von neutraler Stelle bewertet.

Weiteres Geld werde vom FCK fließen, betont Saile: „Bis zum 30. Juni 2014 wird der FCK eine halbe Million in Energiesparmaßnahmen investieren oder in bar an die Stadiongesellschaft zahlen. Die restlichen zwei Millionen zahlt der FCK, wenn er wieder in der Ersten Bundesliga ist. Eine halbe Million wird dann bar gezahlt, 1,5 Millionen dürfen in weitere Immobilieninvestitionen oder auch bar geleistet werden.“ Die Vereinbarungen seien zwar komplex aber nicht undurchsichtig, wie der Steuerzahlerbund behaupte.

Ein weiterer Teil des Mietnachlasses (1,2 Millionen) wurde damals angesichts der leeren Stadtkasse nur gestundet und muss vom FCK nebst unterjähriger Zinszahlung noch bezahlt werden. „Dieses Geld ist ja nicht verloren“, kritisiert Kuntz die Rechnung des Steuerbundes. Die ursprüngliche Fälligkeit 30. Juni 2012 wurde allerdings auf Antrag des FCKs  verschoben.

„Gerade jetzt, wo der FCK schon seit zwei Jahren die volle Miete zahlt und die Besserungsscheine nach und nach ablöst, ist die Kritik des Steuerbundes kontraproduktiv“, kritisiert Saile.
Der Zeitpunkt der Kritik seitens  Quante wirft so einige Fragen auf. Dabei ist die Vermutung, er sei Fan des Mainzer Vereins, falsch, ein im Internet veröffentlichtes Foto zeigt eine andere Person. Manche vermuten politisches Kalkül vor den Wahlen, weil Quante ehemals für die CDU aktiv war. Quante betonte gegenüber dem Wochenblatt: „Es gibt keine Verschwörungstheorien. Als der Beschluss vom Stadtrat gefasst wurde, stellte ich Fragen, bekam aber seitens der Stadt keine Auskunft. Also habe ich den Weg über die Öffentlichkeit gewählt.“  Vermutlich hätte Quante bei der nationalen Presse kaum Gehör gefunden, wenn er nur die Staffelmiete in der Kritik angeführt hätte. Die verschiedensten Vorgänge miteinander zu vermengen, war Kalkül und Mittel zum Zweck. Stefan Kuntz beklagte  massiv den damit verbundenen Imageschaden.

Letztendlich bleibt von allen Punkten nur die Kritik am neuen, gestaffelten Mietzinsmodell (siehe Tabelle), das der Stadtrat zwar beschlossen, aber bis auf Prüfung durch die EU-Kommission auf Eis gelegt hat. Während die einen betonen, dass man die Prüfung von vorneherein schon in der nichtöffentlichen Sitzung als Bedingung miteingebunden habe, rühmen sich sowohl Opposition als auch Quante damit, die Prüfung sei nur auf ihre Kritik hin auf den Weg gebracht worden. „Es geht mir nicht darum den FCK kaputt zu machen. Dem Steuerbund geht es um die Zukunft und um eine Beendigung der Subventionen. Der FCK muss auf eigenen Füßen stehen und der Kredit muss getilgt werden“, fordert Quante.

Dies ist aber nicht so einfach wie der Steuerbund sich das vorstellt. Nur in der ersten Liga kann das Damoklesschwert Stadionkredit, festgeschrieben auf 30 Jahre zu damals marktüblichen, aus heutiger Sicht des Marktes zu hohen Zinsen abgelöst werden. Den Verkauf an einen Investor ist für Saile eine unwahrscheinliche Möglichkeit. Auch eine Anschlussfinanzierung im Notfall könnte möglich sein.

Doch im Vordergrund steht, eine Lösung zu finden, wie der FCK das Stadion zurückkaufen kann und somit die Bürgschaften der Stadt und die Stadiongesellschaft sich im besten Fall selbst erledigen.
Die Staffelmiete, mittlerweile in vielen Vereinen üblich, sollte dazu ein erster Schritt sein. Der FCK muss in der zweiten Liga das Budget haben oben mitzuspielen, um die Aufstiegschance zu erhalten. Nur so kommt der FCK an die TV-Gelder der ersten Liga.

Der mit der Staffelpacht verbundene Verkauf des Fröhnerhofes von der Stadiongesellschaft an den FCK sollte außerdem diese Staffelmiete abfedern und weitere Zahlungen der Stadt in die Stadiongesellschaft  überflüssig machen. Dabei darf nicht verschwiegen werden, dass ein dauerhafter Verbleib des FCKs in der zweiten Liga das neue Modell scheitern lassen würde, weil dieser Puffer recht schnell aufgebraucht wäre. Doch mit Hilfe der Fan-Anleihe und dem Rückkauf des Fröhnerhofes könnte der FCK sich ein weiteres Standbein aufbauen, der erste Schritt ist mit der 3-Sterne-Auszeichnung durch DFB/DFL schon getan, hier fließen zukünftig Gelder. Der zweite Schritt ist, wieder mehr Talente in der eigenen Mannschaft spielen zu lassen und so bei Transfers sparen zu können oder bei Verkäufen Gewinne zu machen wie in vergangenen Zeiten. Die  Transferbilanz der letzten Jahre ist tiefrot.

Wer nun aber die Rückabwicklung aller Subventionen fordert oder auf utopische Mietzahlungen pocht, die fernab der Möglichkeiten sind, der lässt das fragile System zusammenstürzen. Die Stadt und somit der Steuerzahler würden gerade dann belastet werden, denn einen anderen Mieter als den FCK gibt es für die Immobilie de facto nicht. Stadt und FCK sitzen seit über zehn Jahren dank der WM im selben löchrigen Boot.

Ganz vergessen wurde bei der Diskussion, dass der FCK andererseits auch Steuern zahlt, Arbeitgeber für über 100 Angestellte ist und weitere Mitarbeiter in den Zulieferfirmen des FCKs arbeiten. Wirtschaftskraft und Imagegewinn sind weitere Pluspunkte für Kaiserslautern.

Im Sinne aller Beteiligten einschließlich der  Steuerzahler darf der Rückkauf des Stadions  nicht aus dem Visier verloren werden.

Zuschüsse für WM-Stadien
Berlin  196 Millionen vom Bund, 46 M. Bürgschaft  Land
München 210 Millionen  für Erschließung und Infrastruktur
Frankfurt  64 Millionen von Stadt, 20,5 Millionen vom Land
Leipziger 51 Millionen vom Bund, 12 Millionen  von der Stadt
Kaiserslautern 40 Millionen vom Land und  17  M. von der Stadt
Stuttgart 24 Millionen vom Land und die Stadt 23 Millionen
Nürnberg 28 Millionen vom Land, 14 Millionen von der Stadt
Köln  25,5 Millionen  aus öffentlicher Hand
Hannover  22 Millionen von Stadt und  dem Land Niedersachsen
Hamburg 11 Millionen von der Stadt

Mietzahlungen von Profivereinen

1. FC Kaiserslautern bisher 3,2 Millionen,
künftig 2,4  Millionen in der 2. Liga
und 3,6 Millionen in der 1. Liga ?

1. FC Köln:  früher 3,4 Millionen,
seit 2013: 1,8 Millionen in der 2.  Liga,
6 bis 8 Millionen in der 1. Liga

Eintracht Frankfurt: 
3,5 Millionen in  der 2. Liga (warm)
7,5 Millionen in der 1. Liga (warm)

Dynamo Dresden: 2,5 Millionen + 1,5 Millionen städt. Zuschuss

Mainz 05:  2,3 Millionen in  der 2., 3,3 Millionen in der 1. Liga

Hoffenheim:   3,5 Millionen (auch Nürnberg und Wolfsburg)




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