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George Benson wird dieses Jahr mit Symphonieorchester zu hören sein, auch diese Foto stammt vom Festival 2005, Foto: Vollmer

Stammgast Joe Sample ist immer dabei, Foto: Vollmer

Marcus Miller kreierte für 2011 einen Tribute Abend für Miles Davis, hier bei seinem Konzert 2005, Foto: Vollmer

Dave Sanborn wird auch mit einem Workshop dabei sein, hier beim Konzert 2005, Foto: Vollmer

Paul Simon, Pressefoto

BB King, Pressefoto von Lionel Flosin

Eines der diesjährigen Highlights: Sting mit Symphonieorchester, Pressefoto
Da kann es schon mal sein, dass ein Prince im Programm auftaucht oder Phil Collins nach New York das einzige Motown-Tribute-Konzert in ganz Europa in Montreux absolviert. Selbst Herbert Grönemeyer kam schon in die französische Schweiz. Dabei fasst die Konzerthalle gerade einmal 3500 Zuschauer. Ein Zwerg gegenüber den modernen Event-Arenen. Doch nicht nur das Publikum, auch die Künstler zieht das legendäre Festival in seinen Bann und sie kommen gerne.
Das Festival ist immer bestens mit Altstars und Newcomern bestückt, wobei „Jazzfestival“ eher für gutgemachte Musik als nur das Musikgenre steht, denn das Programm beinhaltet alle Stilrichtungen, die das Herz begehrt, selbst Slayer und Manowar waren hier schon zu hören. Ein hochwertiger Kern von Jazzkonzerten blieb aber immer bestehen – zeitweise im Casino, dem ursprünglichen Konzertsaal, mittlerweile nur noch im Kongresscenter.
So kommt es also, dass seit nunmehr 45 Jahren sich das Ufer des Genfer Sees im kleinen elitären Örtchen Montreux mit Fans aus allen Herren Länder füllen. Viele kommen regelmäßig oder sogar jedes Jahr, um dem bunten internationalen Treiben beizuwohnen und ihre musikalische Seele mit einmaligen Highlights vollzutanken.
Dabei geht das Festival nicht wie andere zwei bis drei Tage – ganze zwei Wochen treten hier Topacts am Fließband auf.
Schon bevor man in den Ort hineinfährt ist der Spirit zu erahnen. Überall ist „Jazz“ ausgeschildert. Parkplätze sind Mangelware, geht’s doch im Örtchen recht schnell steil bergauf bis zum Rochers de Naye auf 2000 Meter, der eine sensationelle Aussicht über den See bietet. Viele Sponsorfahnen und Plakate lassen an allen Ecken Vorfreude auf das Festival aufblitzen.
Meist parken die Besucher außerhalb und kommen mit übervollen Shuttle-Bussen zuhauf zum Fest gefahren. Man hat schon beim Betreten der Stadt das Gefühl, hier passiert etwas Besonderes.
Während die Stars sich im „Stravinski Auditorium“ im Obergeschoss oder der kleineren „Miles Davis Hall“ im Untergeschoss die Türklinke in die Hand geben, pulsiert das Leben vor der Halle. Kilometerlang reihen sich am Ufer die Essensstände aus allen Herren Länder neben den vielen fliegenden Händlern, die Schmuck, Mode und Nippes im Programm haben. Hier bewegen sich die Konzertbesucher vorher und nachher, viele Einheimische kommen auch einfach ausschließlich, um 15 Tage lang im Außenbereich des Festivals zu feiern. Selbst das in der Ecke oftmals launische Wetter kann davon nicht abhalten.
Für beste Unterhaltung ist gesorgt, denn die Bühne „Music in the Park“ bietet schon ab dem frühen Nachmittag ein kostenloses internationales Programm mit tollen Künstlern aller Couleur. Ist der Nachmittag meist mit Big Bands belegt, wird es gegen Abend in die Nacht party-lastiger und Rock, Soul, Reggae, Brasil oder Folk wechseln sich ab, um die gutgelaunten Zuschauer zu unterhalten.
Darüber hinaus gibt es jede Menge Musiker, die irgendwo auf der Uferpromenade loslegen und nicht selten kommen weitere dazu, um eine Session zu starten. Das ist der Geist von Montreux, das schweißt die Leute hier zusammen, sprachübergreifend verstehen sie sich über die Musik. Und wenn dann mal ein Bootchen anlegt, zwei Mann im Schipper-Outfit an Deck kommen, der eine mit Tuba, der andere mit Trompete bewaffnet, weiß man, dass nun auch die stolze Freddy-Mercury-Statue, die das Ufer bewacht, ihr Ständchen abbekommt.
Das Jazzfestival ist in jeder Ecke des Ortes, in jedem versteckten Zipfel blitzt es plötzlich auf, leidenschaftlich und sympathisch. Betritt man die Bank oder den Bahnhof, sieht man sich Schalter-Beamten im Montreuxjazz-Shirt gegenüber. Hier hat jeder begriffen, dass Claude Nobs’ Idee vor 45 Jahren Gold für die Region war und jeder macht mit.
Den Geist von Montreux spüren auch die Stars. Ist manchem auf Tour nicht einmal ganz bewusst, wo er gerade Station macht, ist selbst für den abgebrühtesten Altstar Montreux ein ganz besonderes Konzert.
Hier bleiben sie länger, lassen sich plötzlich bei anderen Kollegen im Konzert oder auf der Bühne blicken, jammen in nie gewesener Zusammenstellung in Konzertsaal oder nachts im Club und geben nachmittags kostenlose Workshops und erzählen Anekdoten – Musikerlegenden zum Anfassen.
Zu Ehren des Festivals ändert so mancher Star seine Setliste, ob Lenny Kravitz, Simply Red, Prince oder Paul Simon – alle kommen hierher in tiefem Respekt vor dem Festival, dem besonderen internationalen und sachverständigen Publikum und lassen sich nicht lumpen, etwas Besonders darzubieten.
Dieses Jahr kommt Santana mal wieder vorbei. Der spielte hier schon 1970. Das sind 41 Jahre. Dieses mal drei Nächte – drei verschiedene Konzerte. So was gab’s zwar schon vor sieben Jahren, aber mit anderem Programm. Dieses Jahr wird der 85-jährige BB King dabei sein, auch ein alter Freund des Festivals. 2001 spielte er fast vier Stunden am Stück. Auch John McLaughlin wird mit Santana zu sehen sein.
George Benson rückt gleich mit großem Orchester an, während die Guano Apes downstairs zeitgleich losrocken. Tommy LiPuma wird seinen 75. Geburtstag mit einer hochkarätig besetzten Band feiern und zwei Tage später wird’s lateinamerikanisch, wenn Salsa-Legende Ruben Blades und Ricky Martin den Konzertsaal zum Tanzen bringen werden.
Ein besonderes Highlight des Jahres wird das Konzert von Sting mit Symphonieorchester sein, das schon lange ausverkauft wurde. Aber auch Paul Simon, der letztes mal vor neun Jahren vorbeischaute, wird hörenswert sein.
Und wenn Marcus Miller eine „Tribute to Miles Davis“-Show konzipiert, spielen mal eben Leute wie Herbie Hancock und Wayne Shorter mit – versteht sich doch von selbst, oder?
Bootsy Collins, der bunteste aller funky Paradiesvögel wird zeitgleich die Bühne mit Deep Purple betreten, die werden eine Etage höher mit Symphonie-Orchester den Montreux-Klassiker „Smoke On The Water“ zelebrieren, bevor das Festival nach 15 heißen Tagen seine Pforten bis zum nächsten mal schließt.
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